Klimaschutz

Intakte Moorböden sind Kohlenstoffsenken

Intakte Moore speichern immense Mengen Kohlenstoff. Weltweit betrachtet sogar doppelt so viel wie alle Wälder – und das, obwohl sie flächenmäßig einen viel geringeren Anteil haben, nur ungefähr 3 % der Landfläche.

Die Moorpflanzen nehmen während ihres Wachstums CO2 aus der Atmosphäre auf. Nach ihrem Absterben werden die Kohlenstoffverbindungen im unzersetzten Pflanzenmaterial des Torfbodens gespeichert.

Entwässerte Moore sind »Klima-Hotspots«

Entwässerte Moore verlieren diese wichtige Speicherfunktion, denn im trockenen Moorboden wird angesammeltes Pflanzenmaterial unter Sauerstoffeinfluss in mikrobiellen Prozessen abgebaut, und hierbei wird auch das klimarelevante Gas CO2 wieder frei. Je nach Art des Bodens, Höhe des Wasserstandes und Nutzungsart werden hier 15 bis 40 Tonnen CO2 eq pro Hektar und Jahr emittiert!

Zusätzlich problematisch: in einem so beeinträchtigten Moor kann kein neues CO2 mehr gespeichert werden. Die einzige Chance, die natürliche Kohlenstoffdeponie wieder zu reaktivieren, ist Wiedervernässung.

Deutschlandweit wird von entwässerten, landwirtschaftlich genutzten Moorböden so viel CO2 ausgestoßen wie von der gesamten deutschen Luftfahrt. Bezogen auf Niedersachsen ist der CO2-Ausstoß aus entwässerten Moorböden etwa so hoch wie die CO2-Emissionen unseres gesamten PKW-Verkehrs.

Moorböden machen bundesweit nur rund 8 % unserer landwirtschaftlichen Nutzfläche aus. Dennoch entstehen hier rund 40 % des aus Landwirtschaft und Landnutzung stammenden CO2-Ausstoßes! Niedersachsen hat nicht nur eine herausragende Bedeutung für den Moorschutz, sondern im gezielten Moorschutz durch Wiedervernässung liegt auch eine besonders kostensparende Möglichkeit zum Klimaschutz. Hierfür müssen dringend politische Rahmenbedingungen geschaffen werden.

Das Thema Moorschutz und Klimaschutz beschäftigt intensiv die wissenschaftliche Forschung, beispielsweise am von-Thünen-Institut. Aus den Untersuchungen wird deutlich: Drainierte Moorböden sind »Klima-Hotspots«!.

Genaue Kalkulationen der Emissionen sind auch für die Anrechenbarkeit unserer CO2-Emissionen im Rahmen des Kyoto-Protokolls relevant und ermöglichen zielgerichtetes Handeln in Sachen Moorschutz.

Methan

Im nassen Moor finden unter Wasserabschluss sogenannte anaerobe Abbauprozesse statt. Hierbei wird Methan (CH4) freigesetzt. Methan ist circa 21mal so klimawirksam wie Kohlenstoffdioxid. Allerdings wird es in der Atmosphäre innerhalb weniger Jahre in CO2 umgesetzt. Die von Mooren verursachte Methankonzentration in der Atmosphäre nimmt also nicht zu und führt nicht zu einer fortschreitenden Klimaerwärmung. Die beständige Kohlenstoff-Speicherung intakter Moore führt hingegen zu einer Abnahme der CO2-Konzentration in der Atmosphäre.

Weiterführende Informationen:

Die „Studie zur Vorbereitung einer effizienten und gut abgestimmten Klimaschutzpolitik für den Agrarsektor“ vom von-Thünen-Institut (Juli 2012) behandelt u.a. die Klimarelevanz unserer Moore, sowohl den Status Quo als auch empfohlene Schutz- und Handlungsmaßnahmen.

Das Positionspapier der Länderfachbehörden zu den Potenzialen und Zielen des Moor- und Klimaschutzes (2011)

Weiter gefasstes Thema: Empfehlungen für eine Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Niedersachsen vom MU (2012)

Eine vom Bundesamt für Naturschutz beauftragte Studie (2013) belegt, dass Moorschutz eine kostengünstige Möglichkeit für effizienten Klimaschutz ist.

Auch in der tagesaktuellen Presse ist die Thematik immer öfter zu verfolgen, beispielsweise hier:
Trockengelegte Moore verhageln die Klimabilanz (SZ vom 2.8.12)



Was ist ein CO2-Äquivalent (CO2 eq)?

Diese Angabe umfasst verschiedene klimarelevante Gase, die teilweise vielfach so wirksam sind wie CO2. Im CO2 eq wird die Summe dieser Gase umgerechnet auf eine Menge CO2 mit derselben Wirksamkeit. Beispielsweise ist Methan 21mal so wirksam wie CO2, entspricht als 21 CO2-Äquivalenten, Lachgas (N2O) ist gar 310mal so wirksam wie CO2 (entspricht also 310 CO2 eq).