Torfabbau in Niedersachsen

Torfabbau früher

Sodentorf

Zum Trocknen aufgestapelte Weißtorfsoden

Noch bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurde Torf in Deutschland als Heizmaterial verwendet. Um an den begehrten brennbaren Schwarztorf zu kommen, musste zunächst das Moor entwässert werden. Dann wurde die oberste durchwachsene Torfschicht abgeplaggt und als Bunkerde beiseitegelegt. Die nächste Torfschicht, der Weißtorf, war früher nur als Streutorf im Stall zu nutzen. Er musste ebenfalls per Hand abgetragen werden, um an den darunter liegenden brennbaren Schwarztorf zu kommen. Dieser stark verdichtete und zersetzte Torf wurde in Soden gestochen und ließ sich als Brenntorf verkaufen. Die unterste Moorschicht, der Übergang zum Niedermoor, bedurfte einer speziellen Behandlung. Dieser Torf musste erst einmal als Brei ausgebreitet und durch Stampfen mit den Füßen entwässert werden. Nach ein paar Tagen Trockenzeit ließ er sich schneiden und wurde dann wie der Sodentorf zum vollständigen Trocknen aufgeschichtet. Dieser Torf galt als wertvollster Brenntorf und hieß »Backtorf«.

Torfskizze

Industrieller Torfabbau

Die deutsche Torfwirtschaft hat ihren Schwerpunkt in Niedersachsen, wo mehr als 95 Prozent der Rohstoffvorräte liegen. In Niedersachsen werden auf knapp 27.000 ha Torf abgebaut, das entspricht etwa 8,4 % der landesweiten Hochmoorflächen (Höper 2007). Nach Angaben der Landesregierung (2012) werden in Niedersachsen pro Jahr rund 6,5 Millionen Kubikmeter Torf produziert, zusätzlich werden bis zu 2,5 Millionen Kubikmeter Torf importiert, überwiegend aus dem Baltikum.

Schwarztorf wird gefräst und auf Halden geschoben.

Triste Torfabbau-Landschaft: Schwarztorf wird maschninell gefräst und auf Halden geschoben.

Im modernen Torfabbau wird der mehrere Meter mächtige Moorboden nach der Entwässerung mit Hilfe riesiger Fräsmaschinen Schicht für Schicht abgetragen. In wenigen Jahren wird auf diese Weise der über Jahrtausende gewachsene Boden bis auf eine Resttorfschicht von wenigen Dezimetern entfernt. Der verbleibende dünne Schwarztorfrest soll auf vielen Flächen die Grundlage sein für eine Überführung der abgetorften Flächen in den Naturschutz und damit in die Wiedervernässung. Zwar ist auf diesen Flächen bei günstigen hydrologischen Bedingungen eine naturnahe Entwicklung möglich. Die erfolgten Schäden für Klima und Wasserkreislauf sind jedoch irreversibel.

Der Großteil des Torfes wird im Erwerbsgartenbau verwendet und gelangt als Substrat von Kulturpflanzen oder Gemüse in die Verbrauchermärkte. Nischennutzungen sind Torf für therapeutische Anwendungen oder als Aktivkohle für Filter. Nach Aussage der Torfabbauunternehmen sind bisher Torfersatzstoffe für die Gartenindustrie nicht konkurrenzfähig mit Torf. Allerdings werden umweltschädigende Wirkungen bisher auch nicht in die Kosten dieses Rohstoffes mit einberechnet. Für Hobbygärtner gibt es mittlerweile eine breite Produktpalette torffreier und hochwertiger Produkte, so dass im eigenen Garten komplett auf torfhaltige Blumenerde verzichtet werden sollte.

Torfabbau im Landesraumordnungsprogramm Niedersachsen

Das neue Landesraumordnungsprogramm wurde 2012 beschlossen. Es wurde als nachhaltig und ressourcenschonend gefeiert. Aus Sicht des Natur- und Klimaschutzes ist das eine Farce: Denn tatsächlich wurden darin neue Flächen als Vorranggebiete für Rohstoffabbau deklariert und damit der Weg für weiteren Torfabbau frei gemacht. Dagegen regt sich in den betroffenen Regionen vehementer Widerstand. Die neue Landesregierung hat mittlerweile den Ausstieg aus dem Torfabbau als Ziel im Regierungsprogramm verankert.

Weitere Infos

Im NordWestRadio Podcast wird zwischen verschiedenen Interessenträgern diskutiert, welche Folgen der Torfabbau für unser Klima hat, welche Möglichkeiten es zur Vereinbarung von Naturschutz und wirtschaftlichen Interessen in Niedersachsen gib und welche Alternativen zur Torfnutzung es im Gartenbau gibt.

Das gesamte Interview (Dauer 41:20 Min.)
Kurzer Zusammenschnitt (Dauer: 3:46 Min.)