Neuausrichtung der europäischen Politik gefordert

Moorschutz ist Klimaschutz – dieses Motto zog sich durch alle Beiträge der 14. internationalen Jahrestagung des Europäischen Bodenbündnisses mit Sitz in Osnabrück. Die Tagung fand erstmals im 2014 eröffneten Europäischen Fachzentrum Moor und Klima (EFMK) in Wagenfeld, Landkreis Diepholz, statt.

Die subventionierte Unvernunft wie z.B. der Maisanbau auf Moorböden ist so bald wie möglich auf nationaler und europäischer Ebene einzustellen. Darin sind sich das Europäische Bodenbündnis und der international renommierte Experte der Universität Greifswald, Professor Dr. Hans Joosten, einig. Der dem Moorschutz dienende nasse Anbau von Pflanzen, wie Schilf oder Rohrkolben, als auch der Anbau von Torfmoos müsse daher zukünftig den Landwirten eine wirtschaftliche Alternative bieten. Klimaschutz und Naturschutzziele wären nach diesem Konzept miteinander vereinbar und keine Gegensätze mehr, erläuterte der österreichische Vorsitzende des Europäischen Bodenbündnisses, Christian Steiner. Das Bodenbündnis vertritt ca. 200 Kommunen und Landkreise aus 9 europäischen Ländern. Derzeit stünde allerdings die europäische als auch die nationale Agrarpolitik vieler Mitgliedsländer diesem Ziel häufig entgegen, so Steiner.

Stefan Wenzel, Niedersächsischer Umweltminister und Schirmherr der Veranstaltung, stellte das aktuelle Niedersächsische Moorschutzkonzept vor. Dieses fand in Brüssel viel Beachtung und Anerkennung, so Europas oberste Bodenschützerin Claudia Olázabal. So seien die europäischen Förderrichtlinien auf niedersächsische Initiative dahingehend geändert worden, dass nunmehr auch Moorschutzmaßnahmen finanziert werden können.

Die globale Bedeutung der Moore lasse sich daran ablesen, dass auf nur drei Prozent der mit Mooren bedeckten Landfläche der Welt mehr Kohlenstoff gespeichert sei, als in allen Wäldern der Erde zusammen. Damit sei der Boden nach den Weltmeeren der größte Speicher von Treibhausgasen, erläuterte der Minister. Ein Hektar unangepasste Ackernutzung auf Moorflächen erzeuge dabei so viel Treibhausgase wie 185.000 km Autofahrt, ergänzte Prof. Joosten. Seine Funktion als riesiger Speicher von Kohlenstoff könne das Moor jedoch nur erfüllen, wenn es dauerhaft nass bleibe oder wiedervernässt werde.

Mit welchen Instrumenten diese Wiedervernässung am besten erreicht werden kann, diskutierten circa 100 Teilnehmer aus fünf europäischen Ländern auf der zweitägigen Konferenz. Jan Grabowsky, Geschäftsführer des Europäischen Fachzentrum Moor und Klima freut sich, dass zunehmend auch Organisationen wie das Europäische Bodenbündnis den Weg in die Diepholzer Moorniederung fänden, um umgeben vom „lebenden Beispiel“ konstruktiv über Perspektiven des Moorschutzes zu diskutieren.

Die Forderungen des Europäischen Bodenbündnisses sind in der anhängenden „Wagenfelder Erklärung“ zusammengefasst.

Quelle: Pressemitteilung des Europäischen Fachzentrums für Moor und Klima Wagenfeld GmbH vom 17.06.2015