Wiesmoor: Sanfter Tourismus soll Torfabbau stoppen

Der Politiker Edgar Weiss hat am Mittwoch auf der Sitzung des Wirtschaftsausschusses das Fremdenverkehrskonzept für Marcardsmoor vorgestellt. Er plädierte für einen „sanften Tourismus“. Auf dem Nordgeorgsfehnkanal und dem Ems-Jade-Kanal könne sich ein Bootstourismus entwickeln, sagte er.

Zwischenbergen – Tourismus oder Torfabbau – in Wiesmoor scheint man sich für eine der beiden Seiten entscheiden zu müssen. Auf der Sitzung des Bauausschusses am Mittwochabend im Dorfgemeinschaftshaus in Zwischenbergen plädierte Edgar Weiss (parteilos) für einen „sanften Tourismus“, der vor allem den Wiesmoorer Stadtteil Marcardsmoor mit einbezieht. „Alle bisherigen Konzepte beschäftigen sich ausschließlich mit der Kernstadt“, so Weiss. Jede der dort vorhandenen Anlagen, wie das Ottermeer, die Blumenhalle oder die Erlebnisgolfanlage, seien nur mittels hoher Investitionen realisiert worden. In den Außenbereichen gebe es jedoch Möglichkeiten „für einen nachhaltigen Tourismus, der bereits auf vorhandene Ressourcen zurückgreift“.

Weiss zählte für Mullberg, Hinrichsfehn und vor allem für Marcardsmoor die Vor- und Nachteile auf. Für einen „sanften Tourismus“ in Marcardsmoor sprechen die vielen Rad- und Wanderwege, der Campingplatz, der Nordgeorgsfehnkanal und Ems-Jade-Kanal, die weitläufige Fehnlandschaft samt Naturschutzgebiet, einige Baudenkmäler und Angebote im Reitsport. Das Einzige, das Urlauber in Zukunft abschrecken könne, Ferien in Marcardsmoor zu machen, sei der Torfabbau. Die Zeit, eine Entscheidung zu treffen, dränge, so Weiss. „Wenn die rot-grüne Landesregierung tatsächlich die Vorrangflächen für den Torfabbau kippt, brauchen wir gute Gründe, um eine Konzentrationsplanung auszuschließen.“ Die gebe es bisher jedoch nicht. Zum Fremdenverkehrskonzept des Politikers gehört ein Bootstourismus. Jedes Haus entlang der beiden Kanäle sollte einen Bootssteg haben. „Der Tourismus wird sich von ganz allein weiterentwickeln“, ist Weiss überzeugt. Denn wer mit dem Boot dort entlangfahre, wolle auch eine Ferienwohnung beziehen. Auch Urlaub auf dem Bauernhof sei in Marcardsmoor realisierbar.

Ganz außen vorlassen will Weiss den Torfabbau jedoch auch nicht. Ihm schwebt vor, dass die Gebäude ehemaliger Torfabbaufirmen zu einer moorkundlichen Station umgebaut werden. Dort sollen sich nicht nur Urlauber über das Moor informieren, sondern das Wiedervernässen der abgebauten Flächen wissenschaftlich begleitet werden. Dirk Gerlach, Geschäftsführer der Luftkurort Wiesmoor Touristik GmbH, begrüßte die Vorschläge. Er betonte aber gleichzeitig, dass ihm die Pläne nicht weit genug gehen. „Das kann nur ein Schritt sein. Wenn wir Wiesmoor voranbringen wollen, müssen wir alle Beteiligten, den Tourismus, das Stadtmarketing und die Wirtschaftsförderung, an einen Tisch bringen.“ Nur auf die Urlauber zu setzen, sei zu wenig, so Gerlach. Auch die Wiesmoorer selbst sollen sich wohlfühlen. Jens Peter Grohn (SPD) lobte das Konzept, schlug aber vor, es weiter zu entwickeln. „Sicherlich gibt es auch anderswo in Wiesmoor zahlreiche Angebote.“ Der Antrag von Edgar Weiss wurde zur Beratung in die Fraktionen gegeben. Gleichzeitig wurde die Verwaltung beauftragt, einen Antrag an eine Beratungsfirma vorzubereiten. Weiss: „Aus Erfahrung wissen wir, ein Gutachten ist nur so gut, wie die Antragsstellung.“

Quelle: Ostfriesen-Zeitung, 11.4.2014