Osterholz: Ende des Torfabbaus besiegelt

Landkreis Osterholz. Fast 100 Jahre lang ist im Günnemoor Torf abgebaut worden. Doch nun wird sich das Kapitel für immer schließen. Der Landkreis Osterholz hat mit der Firma Turba Erden- und Humuswerk GmbH eine Vereinbarung geschlossen, die das Ende des industriellen Torfabbaus im Kreis Osterholz besiegelt.

Was waren das für Zeiten, als im Günnemoor noch im großen Stil Torf abgebaut wurde. Die Firma Turba Erden- und Humuswerk GmbH hat historische Fotos von Raupen, Baggern, Loren, zerpflügten Feldern und meterhohen Torfhaufen im Internet veröffentlicht. Sie vermitteln einen Eindruck davon, was sich auf dem Gelände abgespielt hat, seit im Jahr 1920 die erste Abbaugenehmigung erteilt wurde und Turba Mitte der 80er-Jahre mit schwerem Gerät ins Geschäft einstieg. Doch das ist nun Geschichte. Der Landkreis und das Unternehmen haben eine Vereinbarung unterschrieben, mit der ausgeschlossen ist, dass im Günnemoor jemals wieder Torf abgebaut wird.

Die Politiker im Ausschuss für Umweltplanung und Bauwesen erfuhren es am Mittwoch als Erste. Kreisdezernent Richard Eckermann hatte den Punkt extra auf die Tagesordnung der turnusmäßigen Sitzung setzen lassen. „Das ist schon ein besonderer Moment“, erklärte er, als er die Abgeordneten über den Vertragsschluss und die Einzelheiten dazu unterrichtete.

Jahrelang haben die Kreisverwaltung und auch die Kreispolitik auf diesen Tag hingearbeitet. Torfabbau, so die gemeinsam vertretene Linie, passe nicht mehr in die Zeit, weil er die Natur- und Landschaft zerstöre und auch jede Menge klimaschädliches CO 2 freisetze. Die Zukunft im Günnemoor stellt sich der Landkreis anders vor: Zurück zur Natur, verbunden mit einer verträglichen touristischen Nutzung, so wie es im vom Kreis auf den Weg gebrachten Konzept „Vision Teufelsmoor“ festgehalten ist.

Teil dieser „Vision“ war es von Anfang an auch, das jetzige Torfabbau-Unternehmen einzubeziehen. Der Kreis wollte mit Turba im Naturschutz kooperieren. Warum sollte sich die Firma, die sich im Gebiet bestens auskennt und Spezialist in Sachen Torf ist, nicht auch dazu bewegen lassen, Renaturierungsmaßnahmen zu übernehmenDiese Perspektive war eine wichtige Voraussetzung dafür, dass sich die Beteiligten an den Verhandlungstisch setzten. „Mein Eindruck dabei war, dass es auch für Turba interessant ist, einen solchen Prozess mitzugehen, weil ihnen klar ist, dass sich die Welt verändert hat“, berichtete Eckermann den Ausschussmitgliedern.

Die Vereinbarung zwischen dem Landkreis und der Firma schreibt verbindlich fest, dass es im Günnemoor keinen Torfabbau mehr geben wird. „Die Turba verpflichtet sich unwiderruflich dazu, ab sofort keine weiteren Anträge auf Torfabbau im Günnemoor oder andernorts im Gebiet des Landkreises Osterholz zu stellen“, heißt es in dem Vertrag. Der Verzicht bezieht sich konkret auf die zusätzlichen 250 Hektar, auf denen die Firma ursprünglich einmal weiteren industriellen Torfabbau betreiben wollte. Bereits vom Tisch ist der Torfabbau auf einer rund neun Hektar großen Fläche namens „Auf dem obersten Felde“. Dort hat Turba bereits den Abbauantrag zurückgezogen.

Der Landkreis hat sich in dem Vertrag auch ein Vorkaufsrecht für das Betriebsgelände von Turba am Gleisendamm 3 einräumen lassen, das an die wiedervernässte ehemalige Abbaufläche grenzt. Auch für allen weiteren Grundbesitz der Turba im Bereich Günnemoor /Teufelsmoor gilt dieses Vorkaufsrecht. Die Firma kann auch nicht Vorverträge mit Grundstückseigentümern ohne Zustimmung des Landkreises an Dritte übertragen.

Moordamm soll verschwinden

Zu den Details des Vertrags gehört ferner, dass Turba den Moordamm am nordwestlichen Rand der Abbaufläche noch abtragen darf. Das halten die Naturschützer für sinnvoll, weil der Damm eine Barriere für die Kraniche darstellt, die in dem Gebiet rasten. Richard Eckermann betont, dass alle Regelungen auch für mögliche Rechtsnachfolger, Firmenzusammenschlüsse und Tochterunternehmen der Turba gelten oder für Unternehmen, mit denen die Firma verbunden ist.

Was die Kooperation bei der Renaturierung von Flächen in dem Gebiet angeht, gibt es bereits ein konkretes Vorhaben: Der Landkreis hat eine neun Hektar große Grünlandfläche an der Grenze zum früheren Abbaugebiet erworben, die wieder in Hochmoor umgewandelt werden soll. Turba soll den Auftrag für die anstehenden Arbeiten erhalten, die Vergabe steht laut Kreisverwaltung unmittelbar bevor. Um das Gelände für die Wiedervernässung vorzubereiten, müssen die Bagger zunächst einmal auch Torf wegnehmen, damit das Geländeniveau der wiedervernässten Fläche angeglichen wird. Mit „Torfabbau“, so betont die Kreisverwaltung, habe das aber nichts zu tun. Im Schnitt nehme man eine Schicht von rund 65 Zentimetern weg.

Die Politiker im Ausschuss für Umweltplanung und Bauwesen spendeten spontan Beifall, als sie von den getroffenen Vereinbarungen hörten. Ein Meilenstein sei das, meinte zum Beispiel die SPD-Kreistagsabgeordnete Annette v. Wilcke-Brumund. „Gut gemacht“, lobte Dörte Gedat (Bündnis90 / Die Grünen) die Arbeit der Kreisverwaltung. Auch Bernd Rugen (Die Linke) schloss sich den Lobliedern an. Er habe sich beim Vortrag von Richard Eckermann gefragt, wo denn der Haken an der Sache sein könne, aber er habe keinen gefunden.

Wie die Firma Turba Erden- und Humuswerk GmbH den Vertrag bewertet und was sie dazu bewegt hat, zu unterschreiben, ist nicht bekannt. Eine Stellungnahme war von dem Unternehmen mit Sitz in Papenburg gestern nicht zu erhalten.


Zahlen, Daten, Fakten: Torfabbau im Günnemoor

  • 1920 gibt es die erste Torfabbau-Genehmigung im Günnemoor.
  • 1985 steigt die Turba Erden- und Humuswerk GmbH ein und baut im industriellen Stil auf einer Fläche von 250 Hektar ab. Der Torf wird großflächig abgefräst, es geht hinab bis in eine Tiefe von 2,40 Meter. Übrig bleibt eine schwarze Fläche ohne jegliche Vegetation. Rund sechs Millionen Kubikmeter Torf werden zwischen 1981 und 1997 abgetragen.
  • 1998 verpflichtet sich Turba, 240 Hektar des Abbaugebietes nach und nach so herzurichten, dass dort wieder Hochmoor entstehen kann. Flächen werden wiedervernässt, mit dem Ergebnis, dass dort wieder Torfmoose wachsen.
  • 2012 gibt es Streit um das Landesraumordnungsprogramm. Letztlich lässt das Land im Günnemoor keine weiteren Flächen für Torfabbau zu. Ende des Jahres stellt Turba den industriellen Abbau ein.

Quelle: Weser Kurier online, 7.3.2014