Wiesmoorer wehren sich gegen Torfabbau

Mehrere Wiesmoorer sind am Montag vor das Rathaus gezogen, um gegen den Torfabbau und eine Freileitung zu demonstrieren. Vor allem viele Marcardsmoorer waren da. Sie fordern den Landkreis auf, sich zu einem Gutachten zu äußern.

Wiesmoor – Erwartungsvoll standen sie Spalier, doch nur wenige Ratsmitglieder gingen am Montagabend durch den schmalen Gang an den Demonstranten vorbei ins Rathaus. Mehrere Wiesmoorer hatten sich vor der Ratssitzung vor dem Bürgerhaus versammelt, um gegen den Torfabbau und die Ertüchtigung der 110-KV-Leitung Wiesmoor-Conneforde zu protestieren. Kurz vor Beginn der Sitzung zogen sie dann mit ihren Plakaten in den Rathaussaal, um dort ihren Unmut kundzutun.

Vor allem viele Marcardsmoorer waren gekommen. Sie fürchten um ihre Häuser. „Ich bin mit meiner Familie nach Marcardsmoor gezogen, weil ich dachte, dass wir dort sicher und gut leben können“, sagt Angelika Vollmer. Doch kurze Zeit später rollten die ersten Maschinen an und begannen, in der Nähe ihres Grundstücks an der Zweiten Reihe Torf abzubauen. Mittlerweile sorgt sich die Anwohnerin um die Sicherheit ihrer Kinder, denn mindestens 22 Mal am Tag würden große Laster die geh- und radwegfreie Straße entlangfahren. „Die Zweite Reihe ist zu einer Durchfahrtsstraße verkommen.“ Gordon Eich, der ebenfalls an der Zweiten Reihe wohnt, hat bereits in zwei Briefen an den Landkreis seine Sorgen geäußert. „Bis heute warte ich auf eine Antwort.“ Auch zu einem Gutachten, das die Stadt Wiesmoor 2013 in Auftrag gegeben hatte, schweigt der Landkreis bisher. Darin hat das Oldenburger Ingenieurbüro Schmitz und Beilke bestätigt: Die Grabenvertiefung an der Zweiten Reihe, nahe der Grundstücksgrenze zu Gordon Eich, sind nicht rechtens. Der Graben müsse „schnellstmöglich in den Urzustand zurückversetzt werden“. Die Häuser an der Zweiten Reihe sind auf Pfähle gebaut. Die Vertiefung entzieht ihnen Wasser. Sie rotten. Laut Gutachten würden zwei Wochen, in denen die Pfähle trocken liegen, genügen, um die Häuser nachhaltig zu schädigen. „Seit sechs Wochen liegt das Gutachten beim Landkreis, getan hat sich bisher nichts“, sagt Eich. Er möchte, dass der Graben wieder zugeschüttet wird. Während der Einwohnerfragestunde wollte Anwohnerin Trude Ahlfs wissen, ob das Gutachten in Aurich überhaupt bearbeitet werde. Johannes Bohlen, Bauamtsleiter der Stadt Wiesmoor, antwortete: „Das ist Sache des Landkreises. Doch ich weiß, dass es dort Gehör gefunden hat.“

Das reicht den Marcardsmoorern nicht. „Bei uns ist jetzt Schluss mit lustig“, sagte Ahlfs. Die Dorfbewohner planen eine Bürgerversammlung. „Es gibt viel Informationsbedarf. Die Marcardsmoorer haben Angst und wünschen sich klare Aussagen.“ Auch Vertreter der Stadt und des Arbeitskreises Torfabbau sind zu der geplanten Versammlung am 20. März eingeladen. Erleichtert reagierten die Torfabbaugegner auf die Aussage von Bürgermeister Alfred Meyer, dass die Stadt keine Verhandlungen über einen Flächenverkauf zum Torfabbau führe. Die „Buschtrommeln“ hätten vermeldet, dass ein rund zehn Hektar großes Areal zwischen den Straßen Erste Reihe und Grüner Weg zum Verkauf stehe. „Dass die Sache vom Tisch ist, freut uns“, sagt Ahlfs. „Wir würden uns wünschen, dass die Stadt auch in Zukunft den industriellen Torfabbau ablehnt.“

Quelle: Ostfriesen-Zeitung online, 26.02.2014