Wagenfeld: Tagung zur Moor-Wiedervernässung

Die Tagung zum Thema „Wiedervernässung organischer Böden“ mit 15 Referenten aus Deutschland und Europa, denen 130 Teilnehmer aus dem Bereich Umweltschutz, Torfindustrie, Landwirtschaft, Politik, Behörden sowie aus der kommunalen und der Landes-Verwaltung gespannt zuhörten, ist mit einem – ob der internationalen Zuhörerschaft – in englischer Sprache gehaltenen Schlusswort von Landrat Cord Bockhop am Freitag zu Ende gegangen. Er betonte, dass die Diepholzer Moorniederung 15 Moore umfasse mit 24.000 ha Naturschutzflächen, „die zu den am besten renaturierten Hochmooren in Deutschland gehören“. Besonders angetan zeigte sich der Landrat über das offene und freundliche Diskussionsklima; was keine Selbstverständlichkeit wäre, wie er betonte.

TeilnehmerInnen der Tagung in Wagenfeld

TeilnehmerInnen der Tagung in Wagenfeld

Eine Besichtigung des im Bau begriffenen Europäischen Fachzentrums Moor und Klima (EFMK), das im Herbst eröffnet werden soll, und eine Führung von Friedhelm Niemeyer vom BUND durch das Neustädter Moor bildeten den eindrucksvollen Abschluss der ersten Veranstaltung des EFMK.

Auf der Tagung wurden die erfolgreichsten Methoden zur Renaturierung von Mooren vorgestellt, aber auch auf die Probleme bei der Wasserhaltung und durch die Nährstoffzufuhr aus der Luft hingewiesen.

Aber es wurde auch über die nicht renaturierten Moorböden in Niedersachsen gesprochen, die überwiegend landwirtschaftlich genutzt werden. Aus den Messergebnissen, die Dr. Heinrich Höper vom Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie vortrug, ergab sich unmissverständlich: Je niedriger der Wasserstand, desto schneller zersetzen sich Moorböden und geben CO2 ab, wodurch der Treibhauseffekt verstärkt wird. Nur naturnah wiedervernässte Moore seien klimaneutral, so Heinrich Höper.

Bernd Hofer vom Ingenieurbüro Hofer & Pautz berichtete, dass sich in Niedersachsen 40% der Moore in den letzten 40 Jahren buchstäblich in Luft aufgelöst haben. So ist es kein Wunder, dass in Niedersachsen – dem Hochmoorland Nummer 1 in Deutschland – 12% der CO2-Emissionen aus sich zersetzenden Moorböden stammen, wie Irene Dahlmann aus dem Umweltministerium ergänzte. Sie wies zudem daraufhin, dass eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe eingesetzt worden sei, die Programme zum Schutz der „niedersächsischen Moorlandschaften“ erarbeiten und zudem den Moorschutz als Klimaschutz in die EU-Fördergeld-Richtlinien festschreiben solle. Erste Ergebnisse würden im Juli unter Beisein der Minister Stefan Wenzel (Umweltministerium) und Christian Meyer (Landwirtschaftsministerium) in Hannover vorgestellt.

Der Industrieverband Garten e.V und der NABU Niedersachsen stellten ihr gemeinsam erarbeitetes Konzept vor, mit dem es gelingen könnte, Torfabbau klimaneutral zu gestalten, indem nicht nur die vormals landwirtschaftlich genutzten Torfabbauflächen, sondern noch weitere Flächen darüberhinaus renaturiert werden.

Josef Gramann von der Firma Gramoflor wies darauf hin, dass bei der Anzucht von Blumen und Gemüse trotz intensiver Suche noch keine brauchbaren Ersatzstoffe in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung stünden, so dass der Erwerbsgartenbau nicht auf Torf verzichten könne. Er stellte das Renaturierungsverfahren seiner Firma vor, bei dem parallel zum Torfabbau streifenartig mit der Wiedervernässung begonnen wird. Dadurch liegt unmittelbar nach Ende des Torfabbaus bereits eine mit Torfmoos bewachsene nasse Moorfläche vor.

Da die Torfgewinnung in Deutschland immer weiter zurückgeht, kommt der Rohstoff zunehmend aus dem Ausland – vor allem aus den baltischen Ländern. Deshalb wird es in Zukunft darauf ankommen, darauf zu achten, dass dort intakte Moore nicht zerstört werden, sondern Torfabbau einzig auf zerstörten Moorflächen mit dem Ziel der Wiederherstellung dieser Moore betrieben werden dürfe – darin waren sich alle Teilnehmer einig.

Quelle: Pressemitteilung des EFMK vom 23.2.2014