BfN: Mehr Klimaschutz durch Investitionen in das Naturkapital

Anlässlich der 4. Jahrestagung des Climate Service Centers am 12./13.02. in Potsdam wurde der erste Teil der Studie „Naturkapital Deutschland – TEEB DE“ zum Thema Klimaschutz vorgelegt. „Die Wiedervernässung von landwirtschaftlich genutzten Moorböden ist eine vergleichsweise kostengünstige Klimaschutzmaßnahme“, erläutere BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel die zentrale Aussage des Fachberichtes. Degradierte landwirtschaftlich genutzte Moorböden machen zwar nur acht Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen aus. Sie stoßen dabei aber rund 41 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr aus, Das sind 4,3 Prozent der jährlichen deutschen Brutto-Gesamtemissionen CO2. Die Wissenschaftler kalkulieren, dass sich durch ein Programm zur Wiedervernässung von 300.000 Hektar Moorböden in Deutschland klimabedingte volkswirtschaftliche Schäden in Höhe von jährlich 217 Millionen Euro vermeiden lassen. Wiedervernässte Moorböden bilden Lebensräume für stark gefährdete, natürliche Lebensgemeinschaften, können aber auch mit angepassten land- und forstwirtschaftlichen Techniken klimafreundlich genutzt werden.

„Die Ergebnisse dieses Berichts bestätigen die internationalen Forderungen der Konvention über die Biologische Vielfalt und der EU-Biodiversitätsstrategie. In der Klimapolitik müssen mehr ökosystembasierte Lösungen ins Auge gefasst werden, “ sagte BfN-Präsidentin Jessel. Dies gelte nicht nur für den Schutz von Wäldern in Ländern der Dritten Welt, sondern auch für Moore und Auen in Deutschland. Schutz und Investitionen in eine naturnahe Entwicklung erbrächten erhebliche Beiträge zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel – und das oft kosteneffizienter als technische Lösungen, so Jessel. Der Leiter der deutschen TEEB-Studie, Prof. Bernd Hansjürgens vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), betonte: „Natur wird häufig einseitig ausgebeutet. Viele weitere Leistungen der Natur, die für das Wohlergehen der Menschen und eine gesicherte Zukunft fundamental sind, gehen dabei verloren. Wir wollen diese sogenannten Ökosystemleistungen auch für Deutschland ökonomisch sichtbar machen.“

Der vorgelegte Bericht nennt auch die Erhaltung von artenreichem Grünland, eine umweltgerechte landwirtschaftliche Bodennutzung und die Renaturierung von Auen als wichtige Aktionsfelder ökosystembasierter Strategien in der Klimapolitik. Es werden aber auch Zielkonflikte aufgezeigt. Ein Paradebeispiel hierfür ist der indirekt durch das EEG geförderte Maisanbau, der auch vor kohlenstoffreichen Moorböden nicht halt macht. „Beim Anbau von Energiemais auf ehemaligen Moorböden wird wesentlich mehr CO2 emittiert als mit Maisvergärung in Biogasanlagen durch Substitution anderer Energieträger eingespart werden kann. Eine gezieltere Förderung naturschonender Verfahren der Biomassenutzung, z. B. der Vergärung von Landschaftspflegematerial wäre sinnvoller. Moorböden sollten zusammen mit den Landwirten renaturiert oder naturschonend genutzt werden. Das würde eine viel höhere Klimawirkung bei wesentlich geringeren Kosten ermöglichen.“

Weitere Information entnehmen Sie bitte den Hintergrundinformationen

Quelle: Pressemitteilung des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) vom 12.02.2914