Baden-Württemberg: Naturschützer fordern mehr Tempo beim Schutz der Moore

Stuttgart. „Wir werden eine dem Natur- und Klimaschutz dienende Moorschutzstrategie entwickeln und umsetzen.“ So steht es im grün-roten Koalitionsvertrag. Andre Baumann, der Vorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) in Baden-Württemberg, wird aber allmählich ungeduldig. „Das dauert doch recht lang. Die Regierung muss bald liefern.“

Natürlich geht es auch ums Geld. Insofern liegt Baumanns Wortspiel nahe: „Ohne Moos nichts los.“ Moose wiederum sind eine wichtige Voraussetzung für den Zustand der ökologisch hochsensiblen Flächen. In Baden-Württemberg konzentrieren sich die Moorlandschaften auf Oberschwaben, den Schwarzwald und die Oberrheinebene. 1,5 Prozent der Landesfläche machen sie noch aus. Immer mehr wird der Moorschutz als wichtiger Baustein erkannt, den Klimaschutz voranzubringen. „Naturnahe Moore sind nicht nur ökologisch sehr wertvoll, sondern sie bremsen auch den Klimawandel ab“, betont Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). Moore binden in starkem Maße das klimaschädliche CO2. Auch der frühere Umweltminister und CDU-Landtagsabgeordnete Ulrich Müller (Wahlkreis Bodensee) gibt zu, dass „dieser Aspekt in Zukunft an Bedeutung“ gewinnen wird. Auch er hat mehrfach schon an die Landesregierung appelliert, die Moorschutzstrategie vorzustellen.

Federführend dafür ist das von Alexander Bonde (Grüne) geführte Ministerium für den ländlichen Raum (MLR). Dort heißt es in der Fachabteilung, im ersten Quartal 2014 werde eine ressortübergreifende Arbeitsgruppe die Arbeit an den Details aufnehmen. Konflikte bei der Renaturierung der Moore treten vor allem mit der Landwirtschaft auf. Baumann erwartet deshalb von Bonde, unter anderem auch über das Agrarumweltprogramm den Moorschutz zu finanzieren. Landwirte müssten einen Ausgleich erhalten, wenn bislang stark genutzte Flächen wieder vernässt werden sollen.

Baumann liefert auch konkrete Vorschläge, wie ein Moor der Zukunft aussehen und das Landschaftsbild bereichern kann. Sogenannte „wilde Weiden“ gehören dazu, auf denen Wasserbüffel leben können. Effekt für die Bauern: Mit dem Fleisch lassen sich Spitzenpreise erzielen. Nicht nur im Umfeld von Mooren sind die Tiere im Land bereits wieder angesiedelt worden. Auch im Uferbereich von Seen grasen sie wieder. Nicht so begeistert auf die Ausweitung der Moorflächen reagieren aber Waldbesitzer. Auf trockenen Böden hat sich in der Vergangenheit die seltene Moorkiefer ausgebreitet. Mehr Feuchtigkeit aber drängt sie zurück.

Spende von Daimler

Allein aufs Land verlässt sich der Nabu nicht. Der Verband konzentriert sich derzeit auf zwei große Moorsanierungen. Der Daimler-Konzern hat mit einer 920 000 Euro-Spende das Programm „Moore mit Stern“ angestoßen. Bei Hinterzarten sind schon 2013 die ersten Arbeiten angelaufen. Für das wesentliche größere Bodenmöser-Moor bei Isny fehlt aber noch ein exakter Zeitplan. Dort sollen einmal der Hochmoorgelbling, ein seltener Schmetterling, oder der Wachtelkönig wieder mehr natürliche Lebensgrundlagen vorfinden. Nabu-Chef Baumann rechtfertigt die Zusammenarbeit mit Daimler, die dem Verband auch Kritik eingebracht hat. „Wir sind beim Mitteleinsatz völlig frei, es gibt keine Gegenleistungen.“ Daimler plant bei Immendingen für rund 200 Millionen Euro auf dem früheren Bundeswehrgelände eine Teststrecke. Seit gestern liegen die überarbeiteten Bebauungspläne aus. Diese lehnt der Nabu im Prinzip ab.

Quelle: schwaebische.de, 08.01.2014