Tierische Helfer schützen das Moor

Rotenburg · Landkreise Verden. Niedersachsen ist das moorreichste Bundesland. Etwa zehn Prozent der Landesfläche sind Moorgebiete. Auch in den Landkreisen Verden und Rotenburg gibt es eine Vielzahl an moorigen Flächen, die gerade im Winter gepflegt und geschützt werden müssen. Diese Aufgaben übernehmen zumeist private Initiativen von Naturschützern, die im Auftrag der Landkreise agieren. Aber auch Schafe und Ziegen sind unersetzliche Helfer bei der winterlichen Moorpflege.

Wer glaubt, dass die Aktivisten des Naturschutzbundes jetzt ihren Winterschlaf halten, der irrt. Gerade in der kalten Jahreszeit warten die Moorgebiete der Region darauf, von Mensch und Tier gehegt und gepflegt zu werden. Mit dem Ottersberger, Quelkhorner und Verdener Moor sowie dem Naturschutzgebiet Hühnermoor in der Gemeinde Kirchlinteln gibt es laut Landschaftspfleger Thomas Arkenau noch vier „halbwegs intakte“ Moorgebiete im Landkreis Verden.

Um die winterliche Pflege dieser Flächen kümmern sich zumeist Naturschützer, die der Landkreis Verden damit betraut hat. So wie in dem 94 Hektar großen Ottersberger Moor, das die Landschaft zwischen den Gemeinden Ottersberg und Oyten prägt. Dort haben sich die Mitglieder des Ottersberger Nabu-Ortsvereins der Moorpflege verschrieben, mit dem Ziel, die Vegetation zu erhalten. „Für uns gilt es, den Baumbestand zu reduzieren und den Wasserstand zu erhöhen“, erklärt der hiesige Nabu-Gruppenleiter Arne Farjon.

Große Teile des Moores sind mit Birkenbruchwald und Moorheide bewachsen. In den Torfkuhlen, in denen sich das Wasser gehalten hat, wachsen Torfmoose. Im Winter, so Farjon weiter, stehen hier Entkusselungsarbeiten auf dem Plan. Mit diesem Begriff wird in der Landschaftspflege die Beseitigung junger Gehölze (Kussel) von Heideflächen, Feuchtwiesen und entwässerten Mooren beschrieben.

Im Winter wird „entkusselt“

Ein Kenner in der Moorpflege ist Jochen Bertzbach. Der Autor des Buches „Moorschutz ist Klimaschutz“ aus Fischerhude kennt sich im Quelkhorner Moor aus. „Der Birkenwuchs an den höher gelegenen und trockeneren Stellen des Moorgebiets ist ein Problem. Diese Bäume müssen wir wieder abschneiden, weil sie ein großer Wasserräuber sind und dem Moor die Feuchtigkeit entziehen“, weiß er zu berichten. Denn gerade wenn es im Moor pitschnass ist, könne sich die typische Vegetation entfalten.

Für ihre Pflegearbeiten ziehen der Landkreis und die beauftragten Naturschützer nicht selten Schäfer Jörk Hehmsoth und seine tierischen Helfer zu Rate. Im Herbst 2014 sollen sich dessen Heidschnucken und Ziegen wieder in dem kleinen Hochmoor bei Quelkhorn tummeln, das bis in die 60er-Jahre zur Torfgewinnung wirtschaftlich genutzt worden war. Mit der Absenkung des Grundwassers mineralisierte und verbuschte das Moor zunehmend, so dass es Ende der 70er-Jahre fast vollständig mit Birken bewachsen war.

„Das Moor verlor seinen ursprünglichen Charakter, mit der Folge, dass hochmoortypische Tier- und Pflanzenarten verschwanden“, erklärt Bertzbach. So sei spontan die Idee der „Wiedervernässung“ entstanden. Durch das Anheben des Wasserstands sei erfolgreich ein Biotop für die Tiere und Pflanzen des Hochmoores geschaffen worden. Damit das so bleibt, ist auch Schäfer Jörk Hehmsoth mit seiner Schaf- und Ziegenherde aktiv in die Moorpflege eingebunden. Die genügsamen Tiere sollen die Samen des Pfeifengrases fressen und Faulbäume, Birken und Kiefern mit ihren Zähnen bearbeiten. Die Vierbeiner beißen unter anderem die nachwachsenden Birkenschößlinge ab und sorgen somit dafür, dass das Moor nicht austrocknet. Immer mit dabei: Jörk Hehmsoths Border Collie Willi und seine Altdeutschen Hütehunde.

Auch in dem 91 Hektar großen Verdener Moor, das seit Dezember 1989 unter Naturschutz steht, ist die tierische Menage – 500 Heidschnucken und 50 Ziegen – von Schäfer Jörk Hehmsoth häufig im Einsatz. Jetzt, so Hehmsoth, ziehe er mit seiner Herde jedoch erstmal ins Große und Weiße Moor nach Rotenburg-Unterstedt, um Dienst für die intakte Moorvegetation zu tun.

Im Anschluss daran geht es weiter in den Wolfsgrund nach Eversen. Durch dieses Naturschutzgebiet verläuft ein Trampelpfad, so dass die anspruchslosen Wiederkäuer auch oft die Blicke von Spaziergängern auf sich ziehen. „Bis Januar sind wir unterwegs, dann marschieren wir über Völkersen, Walle und Schülingen zurück nach Hause“, so Schäfer Jörk Hehmsoth, der seine Tiere auf Weideflächen in Langwedel-Nindorf hütet. Dass sich die Pflegearbeiten in den Moorgebieten vorwiegend in den Wintermonaten abspielen, erklärt Diplom-Ingenieur Thomas Arkenau, der bei der Naturschutzbehörde beschäftigt ist, unter anderem mit der Vogelbrut im Sommer. „Es hat naturschutzrechtliche Gründe. Außerdem ist es einfacher, bei knackigem Frost im Moor zu arbeiten.“

Quelle: Weser Kurier, 27. November 2013