Moorkonzept Gnarrenburg: Ein hartes Stück Arbeit

Gnarrenburg.Auch wenn die Landesregierung angekündigt hat, die Moore besser zu schützen: Die Bürgerinitiative gegen den Torfabbau in Gnarrenburg sieht keinen Grund, sich entspannt zurückzulehnen.

Die Bürgerinitiative zum Erhalt unserer Moore und für die Zukunft unserer Dörfer (BI) besteht seit einem Jahr. Eigentlich kann sie zufrieden sein. Die neue rot-grüne niedersächsische Landesregierung hat verkündet, beim Moorschutz Ernst zu machen. Sie will die Vorranggebiete für den Torfabbau im Raumordnungsprogramm ändern. Damit wären auch die Pläne der Firma Torfwerk Sandbostel, in Gnarrenburg einen weiteren Abbau zu beginnen, unrealistisch – Hauptziel der Bürgerinitiative. Sie macht trotzdem weiter und hatte vergangenen Sonntag zu einem Frühschoppen eingeladen.

„Es ist schön, wenn die Landesregierung vorhat, die Vorranggebiete herauszunehmen. Aber wer weiß, was noch passiert?“, warnte dann auch die Sprecherin Kerstin Klabunde. Und Landrat Hermann Luttmann bestätigte: Sollte ein Antrag auf Abbau gestellt werden, müsste der Landkreis diesen nach gültigem Recht prüfen.

Außerdem geht es längst um mehr. Ein Zukunftskonzept für Gnarrenburg soll her, das sich auch mit der Zukunft der Gemeinden und Ortschaften befasst. Moorschutz ist dabei ein wichtiges Thema – aber nicht das Einzige. „Wir wollen deshalb Ideen aus der Bevölkerung sammeln“, erläuterte die Vorsitzende der Bürgerinitiative, Martina Leitner, die Idee des Treffens. Bei Bier, Brause und Brezeln sollten Bürger das Wort haben. Der Saal im Dorfgemeinschaftshaus in Klenkendorf war voll. Geredet haben aber hauptsächlich Politiker und andere wichtige Leute.

Leitner war aber keineswegs enttäuscht. Die Initiative hatte Fragebögen vorbereitet – und die wurden reichlich genutzt. Die Anregungen schlugen einen weiten Bogen. Es ging um die Landwirtschaft, Infrastruktur, den demografischen Wandel und Tourismus. Die Beiträge zeigten eines sehr deutlich: Bei dem Zukunftskonzept treffen unterschiedlichste Interessen aufeinander. Volker Kullik, Ratsherr von Gnarrenburg und Mitglied des Kreistages, brachte es auf den Punkt: „Das ist sehr vielfältig. Das Konzept wird ein hartes Stück Arbeit.“

Auf der Suche nach dem Konsens

Den Konsens soll ein Runder Tisch erreichen. Dort treffen sich unterschiedlichste Interessenvertreter. Immerhin: Mit der „Gnarrenburger Erklärung“ gibt es eine lose Vereinbarung. Die gilt es nun mit Leben zu füllen. Kullik machte dabei einen Trend aus. „Naturschutz und Torfindustrie werden in eine Ecke gedrängt.“ Auf der anderen Seite sieht Kullik Bürger und Landwirtschaft. Die auf den ersten Blick unsinnige Allianz könnte bei Wiedervernässungen zusammenkommen.

Bürgermeister Axel Renken macht sich nichts vor. Es werde weiter Torfabbau geben. Zum einen, weil es eine bestehende Genehmigung gebe. Zum anderen, weil bestimmte Torfflächen erst wieder zu intakten Moorflächen werden könnten. Das könnten beispielsweise Flächen in landwirtschaftlicher Nutzung sein. Die müssten vor einer Vernässung teilweise abgetorft werden. „Da wäre die Hilfe der Industrie gefragt. Aber nur dort, wo wir es für sinnvoll halten und mit anderen Methoden“, findet Renken.

Die Landwirte fürchten schon um ihre nutzbaren Flächen. „Das geht nur auf freiwilliger Basis. Den Bauern darf nichts übergestülpt werden“, warnte der stellvertretende Vorsitzende des niedersächsischen Landvolks, Heinz Korte.

Das sah Kullik anders. Intensive Landwirtschaft auf Torfflächen sei ebenso schlecht wie Torfabbau. „Wir haben die Vision Teufelsmoor des Landkreises Osterholz als Vorbild. Das geht nicht nur mit Freiwilligkeit“, glaubt er. Kleinere landwirtschaftliche Betriebe könnten Hilfe erwarten. „Wir brauchen eine Förderung für eine alternative Landwirtschaft“, forderte Kullik.

Die Anregungen und Wünsche der Bürger werden nun gebündelt und zur Verfügung gestellt.

Quelle: Weser Kurier, 13.11.2013