Mehr Moor – weniger Torf

Der Streit um den Ausstieg aus dem Torfabbau.

„Wir werden bis zum Jahr 2060 aus dem Torfabbau aussteigen.“ Das verkündete Christian Meyer, Niedersächsischer Landwirtschaftsminister, auf einer Informationsveranstaltung in der Wesermarsch vor einigen Wochen. Damit will der Minister dem großflächigen Torfabbau in den Mooren, die gigantische Speicher für Kohlendioxid darstellen, Einhalt gebieten.

Sendungsankündigung:

23. Oktober 2013, 15:05 Uhr
Nordwestradio unterwegs: Mehr Moor – weniger Torf | Der Streit um den Ausstieg aus dem Torfabbau

„Wir werden bis zum Jahr 2060 aus dem Torfabbau aussteigen.“ Das verkündete Christian Meyer, Niedersächsischer Landwirtschaftsminister, auf einer Informationsveranstaltung in der Wesermarsch vor einigen Wochen. Damit will der Minister dem großflächigen Torfabbau in den Mooren, die gigantische Speicher für Kohlendioxid darstellen, Einhalt gebieten.

„Alle Vorranggebiete für den Torfabbau werden im Landes-Raumordnungsprogramm (LROP) gestrichen,“ sagte Meyer. Dieses Programm hatte CDU-Vorgänger Gert Lindemann erst im Jahr 2012 aufgestellt und darin etwa 21.350 Hektar neue Vorranggebiete für die Torfgewinnung ausgewiesen – unter anderem in den Kreisen Rotenburg, Cuxhaven, Wesermarsch und Ammerland.

Meyer will diese Entwicklung gemeinsam mit Umweltminister Stefan Wenzel umkehren und keinen neuen Torfabbau mehr zulassen. Die Moorflächen sollen nun überwiegend dem Klimaschutz dienen. Eine andere Nutzung wäre damit ausgeschlossen. Ziel der Landesregierung sei, die verbliebenen fünf Prozent Hochmoore im moorreichsten Bundesland zu schützen und verstärkt Torfersatzstoffe zu fördern.

80 Prozent des deutschen Torfs kommt aus Niedersachsen. „Als eines der moorreichsten Bundesländer hat Niedersachsen eine besondere Verantwortung“, sagte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Zwölf Prozent des landesweit freigesetzten Klimakillers CO2 stammen aus falsch bewirtschafteten Mooren. Darüber hinaus seien Moore als „Schwämme“ gute Wasserspeicher, die auch eine wichtige Funktion zum Schutz vor Hochwassern einnehmen könnten.

Naturschutz führt auch die Torfindustrie als Argument ins Feld – allerdings für einen verstärkten Abbau: Nur abgetorfte Flächen könnten wiedervernässt und dadurch später wieder zu wertvollen Mooren werden. Jetzt würden die nicht ausgewiesenen Vorranggebiete vor allem für eine intensive Landwirtschaft genutzt – mit viel größeren Auswirkungen auf die Umwelt, meint Tanja Constabel von der Bundesvereinigung Torf- und Humuswirtschaft. Sie warnt vor einem schleichenden Sterben des heimischen Wirtschaftszweiges, der in etwa 70 Abbaubetrieben rund 2.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Fragen:

  • Wie soll der Moorschutz in Niedersachsen künftig aussehen?
  • Welche Auswirkungen hat das für die niedersächsische Torfwirtschaft?
  • Nimmt das Verhältnis zwischen den Landwirten und der rot-grünen Landesregierung Schaden?

Gesprächsteilnehmer:

  • Peter Cornelius, Vorsitzender Kreislandvolk Wesermarsch
  • Hilmar Gerdes, Landwirtschaftskammer Niedersachsen
  • Hans-Otto Meyer-Ott, Bündnis 90/die Grünen, Kreistag Wesermarsch
  • Carsten Meiners, Bürgerinitiative „Moorfreunde Wesermarsch“
  • Hermann Gruppe, FDP-Landtagsabgeordneter

Achtung: Die Sendung wird am 22. Oktober von 18.30 bis 19.30 Uhr in der Markthalle Rodenkirchen aufgezeichnet!
Veranstaltungsadresse: Markthalle Rodenkirchen, Am Markt 7, 26937 Rodenkirchen, Eintritt ist frei, Gäste sind willkommen

Die Besucher der Sendung sind herzlich eingeladen mit Fragen zur Diskussion beizutragen

  • Moderation: Stefan Pulß
  • Redaktion: Hilke Theessen

Quelle: Nordwestradio unterwegs, 22.10.2013