Wesermarsch: Mehr Moor, weniger Torf

Großenmeer. Ernüchterung bei den Grünen. Die Begeisterung für ihren Parteifreund, den niedersächsischen Landwirtschaftminister Christian Meyer, fiel leiser aus als erhofft. Er versprach nämlich in Großenmeer die Rücknahme von rund 660 Hektar Flächen aus den Vorranggebieten für den Torfabbau rund um Großenmeer und weiterer 100 Hektar in Jade und Moorriem zum Jahresende.

Während die Naturschützer unter den rund 100 Zuhörern den Schritt begrüßten, zeigten sich andere Teilnehmer, die sich zu Wort meldeten, vor allem um das eigene Haus und die eigenen landwirtschaftlichen Flächen besorgt.

Allein in der Gemeinde Ovelgönne gibt es weitere Torfvorranggebiete von rund 300 Hektar Größe, für die bereits Abbaugenehmigungen erteilt wurden. Anlass zur Sorge ist die mit dem Torfabbau einhergehende Senkung des Grundwasserspiegels, die sich nicht nur auf benachbarte Weiden und Äcker auswirken könnte.

Hausbesitzer fürchten um die Standfestigkeit ihrer Häuser, seit vor einem Jahr am Rande des nah gelegenen Torfabbaugebiets Mentzhausen ein Haus versackte. Es wird in diesen Tagen abgerissen. Für Diskussionsleiter Hans-Otto Meyer-Ott ist die Verhinderung von noch mehr Torfabbau zumindest ein Teilerfolg. „Eine einfache Lösung gibt es nicht“, sagte Hans-Otto Meyer-Ott.

Er habe auch viel Zustimmung zur Streichung der Vorranggebiete wahrgenommen. Nun hoffe er, dass die Bürger diese Zustimmung demnächst im Beteiligungsverfahren auch deutlicher kundtun. Dass bis dahin noch weitere Abbaugenehmigungen erteilt werden, betrachtete er wegen der üblichen Verfahrensdauer als ausgeschlossen.

Die Streichung der Vorranggebiete begründete der Minister „mit Klimaschutzinteressen“, da beim Torfabbau große Mengen klimaschädliches Kohlendioxid in die Umwelt entweichen. Um das Kohlendioxid dauerhaft zu binden, sollen die geschonten Moorflächen teilweise wieder vernässt werden. Landwirte sorgen sich deshalb bereits um die drohenden Einschränkungen für die Nutzung der Flächen. Der Kreislandvolkverband Wesermarsch will diese Sorgen in einer Veranstaltung am Dienstag, 22. Oktober, 20 Uhr, in der Markthalle Rodenkirchen aufgreifen. Thema: „Klimaschutz – Moorschutz – Grünland ?“

Quelle: Weser Kurier, 10.10.2013