Rotenburg: Runder Tisch zur Moornutzung

Landkreis Rotenburg. Das Teufelsmoor mit seinen Ausläufern um Gnarrenburg ist ein einzigartiger Lebens-, Wirtschafts-, Erholungs-, Natur- und Landschaftsraum. Seine Besiedlungsgeschichte ist seit über 250 Jahren eng mit dem Torfabbau verbunden. In den vergangenen Jahren kamen jedoch zunehmend kritische Stimmen zum großflächigen Abbau auf. Deshalb hat der Landkreis Rotenburg einen Runden Tisch ins Leben gerufen. Er hat die widerstreitenden Interessen von Torfindustrie, Landwirtschaft, Wohnsiedlungen, Tourismus sowie Umwelt- und Klimaschutz ins Gespräch gebracht.

Dieser Runde Tisch hat zwischenzeitlich zweimal getagt. Herausgekommen ist eine „Gnarrenburger Erklärung“, die die Beteiligten einstimmig beschlossen. Ziel der Erklärung ist eine partnerschaftliche Zusammenarbeit und ein gemeinsames Konzept für die Entwicklung des Gnarrenburger Moores. Konkret geht es darum, naturnahe Hochmoorbereiche zu schützen und geeignete Bereiche umweltverträglich zu regenerieren. Außerdem soll das landschaftstypische Moorgrünland erhalten bleiben, sollen auf freiwilliger Basis extensive Landnutzungssysteme gefördert werden. Darüber hinaus soll eine nachhaltige Dorfentwicklung gewährleistet bleiben. Auch die Förderung des sanften Tourismus und der Naherholung ist ein gemeinsames Ziel.

Breiten Raum nahm die Frage nach zukünftigem Torfabbau ein. Das Landesraumordnungsprogramm sieht für große Teile des Gnarrenburger Moores ein Vorranggebiet für Torfabbau vor. Die Landesregierung beabsichtigt allerdings, stattdessen Vorranggebiete für Klimaschutz zu schaffen, deren Auswirkungen jedoch noch nicht klar sind. Der Runde Tisch sei sich darüber einig, dass sich die Region gemeinsam in diesen Prozess einbringen solle, so eine Sprecherin des Landkreises Rotenburg. Nach zähem Ringen habe man eine Formulierung dahingehend gefunden, dass „weiterer Torfabbau gezielt dort stattfindet, wo er der Vorbereitung der konzeptionell vorgesehenen Nutzung dient.“ Welche Nutzungen das sind, soll das Konzept aufzeigen. Die Ergebnisse sollen in das neue regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises fließen, das zur Zeit erarbeitet wird.

„Die Gnarrenburger Erklärung ist ein starkes Signal, dass die Region an einem Strang zieht,“ freut sich Rotenburgs Erster Kreisrat Torsten Lühring. Die Zusammenarbeit würde letztendlich allen nützen und am ehesten einen gerechten Interessenausgleich ermöglichen.

Quelle: Weser Kurier, 19.10.2013