Teufelsmoor: Vom Torf-Abbaugebiet zur Wiedervernässung

Landkreis Osterholz. In der Ortschaft Teufelsmoor direkt neben dem Torfwerk ist ein mehrere Hektar großer Fichtenwald abgeholzt worden. Hinter dem Kahlschlag steckt ausgerechnet die Naturschutzbehörde. Der Landkreis hat die Fläche gekauft, der ehemalige Eigentümer ließ sämtliche Bäume in Abstimmung mit dem Kreishaus entfernen. Geht es nach den Plänen des Landkreises, soll sich auf dem Gelände der ehemaligen Baumschule wieder eine moortypische Vegetation entfalten.

Ein Fichtenwäldchen weicht der Moorrenaturierung (Foto: L. Rode)

Ein Fichtenwäldchen weicht der Moorrenaturierung (Foto: L. Rode)

Meterhoch stapeln sich neben der Zufahrt zum Torfwerk in Teufelsmoor die frisch gesägten Baumstämme. Noch vor kurzem bildeten sie gleich nebenan einen Fichtenwald. Statt auf sattes Grün blickt man nun auf Baumstümpfe oder jede Menge abgesägter Äste. Die Naturschutzbehörde hat das so gewollt, weil sie in dem Gebiet auf lange Sicht ein moortypisches Biotop und keine Fichten mehr wachsen sehen will.

„Vision Teufelsmoor“ – unter diesem Titel hat sich der Landkreis Osterholz vor einiger Zeit zum Ziel gesetzt, den industriellen Torfabbau im Günnemoor zu beenden und dort Hochmoorregeneration und eine Wiedervernässung von alten Abbauflächen zu betreiben. „Wenn es eine Chance gibt, Flächen zu erwerben, wollen wir diese nutzen“, erklärt Kreisdezernent Richard Eckermann. Genau das sei im Fall der alten Fichtenschonung geschehen, die für die Naturschutzfachleute im Kreishaus nur wenig Bedeutung hat, weil die Bäume keine typischen Gewächse des Moores sind. Also kreiste mit dem Segen der Behörde die Kettensäge, um Platz zu machen für die neue Entwicklung in Richtung Moorlandschaft. Wie man dabei später mit den Stubben im Boden umgeht, ob die Flächen wiedervernässt werden oder Heide wachsen soll, steht laut Kreis noch nicht fest. „Der Fichtenbestand gehört nicht dort hin. Es war somit klar, dass erst einmal kahl geschlagen wird“, erklärt Richard Eckermann die Rodungsaktion am Torfwerk.

Fest entschlossen ist die Behörde dagegen, dass in dem Gebiet kein Torfabbau im bisherigen Stil mehr stattfinden soll. Dass im alten Torfwerk in den vergangenen Tagen wieder Bagger gesichtet wurden, steht nicht im Widerspruch dazu. „Dort findet kein Torfabbau statt“, betont Kreisdezernent Richard Eckermann und entgegnet so manchen Vermutungen, die dazu im Dorf angestellt werden. Vielmehr seien

Mitarbeiter des Torfwerkes in Sachen Naturschutz unterwegs: Die Firma Turba GmbH hatte sich in den 90er Jahren dazu verpflichtet, ehemalige Abbauflächen für die Regeneration des Moores herzurichten. „Da stehen nun noch einige Dinge an, die gut für die weitere Entwicklung wären“, sagt Richard Eckermann. Eine davon betrifft beispielsweise einen Wall in Richtung Verlüßmoor, der das bisherige Abbaugebiet von dem inzwischen renaturierten Gelände trennt. Die Aufschüttungen sollen im Auftrag des Landkreises von Turba abgetragen werden, weil sie sich als Hindernis für die Kraniche erwiesen haben, die in dem Gebiet Jahr für Jahr zu Tausenden rasten und ihre Schlafplätze haben.

Kreis strebt Konversion an

Geht es nach den Plänen im Kreishaus, sollen die anstehenden Arbeiten im Gebiet nur der Anfang der verstärkten Kooperation mit dem Abbauunternehmen sein. Die Idee ist, dass Turba eine Art Konversion vollzieht: Von einem Unternehmen, das über Jahrzehnte Torf abgebaut hat, zu einem, das für den Naturschutz tätig wird. Konkret: Während der Landkreis Aufträge für weitere Naturschutzmaßnahmen möglicherweise auch über das betroffene Gebiet hinaus anbietet, soll die Firma verbindlich erklären, dass für alle Zeit kein Torfabbau mehr stattfindet. „Darüber führen wir mit Turba gerade Gespräche. Ich bin zuversichtlich, dass wir das hinbekommen“, sagt Kreisdezernent Richard Eckermann. Er wünsche sich sehr, dass es am Ende zu einer Einigung komme, weil damit ein völlig neuer Weg eingeschlagen werde, wie der klima- und umweltschädliche Torfabbau aus der Welt geschaffen werden kann und zugleich die Abbauunternehmen eine neue Perspektive erhalten. So etwas gebe es bisher nicht.

Quelle: Weser Kurier vom 3. September 2013