Ostfriesland/Marcardsmoor: „Ohne Wasser ist hier nichts mehr sicher“

Der Arbeitskreis Torfbau des Wiesmoorer Rates informierte sich in Marcardsmoor über mögliche Folgen des Torfabbaus. Frieda Dirks und Gerd Rust warnen vor Schäden an Häusern. Dann gehe es den auf besondere Weise konstruierten Fundamenten der Gebäude an den Kragen.

Marcardsmoor – Gerd Rust saniert derzeit an der II. Reihe in Marcardsmoor ein altes Bauernhaus. Vor dem Haus hat er zwei von den rund 400 Holzpfählen aufgestellt, die er unter dem Haus entfernen und durch eine Betonkonstruktion ersetzen musste. Sie wirken fast wie Mahnmale. „Sobald die Pfähle nicht mehr komplett im Wasser sitzen, verrotten sie“, erläuterte er am Donnerstagnachmittag dem und zeigte auf die morschen Köpfe der Pfähle. Wenn der Torfabbau in Marcardsmoor so weitergehe, dann sehe es schlecht um viele Häuser in Marcardsmoor aus, so Rust. Einige Hundert Hektar an Flächen wurden in Marcardsmoor in den vergangenen Jahren schon industriell abgebaut, Hunderte sollen noch folgen. Entsprechende Anträge liegen dem Landkreis Aurich vor.

Marcardsmoor ist im Landesraumordnungsprogramm (LROP) als Torfgewinnungsgebiet ausgewiesen. Viele Meschen in Marcardsmoor fürchten nun um ihre Häuser und sehen die Veränderungen in der Landschaft und der historischen Siedlungsstruktur äußerst kritisch. Sie haben sich bereits im Torfabbaugebiet Ovelgönne angesehen, wie dort die Häuser langsam versacken. In Marcardsmoor wurden viele Häuser wegen des moorigen Untergrunds auf Holzpfählen gegründet. Dadurch, dass sie vom moorigen Wasser abgedichtet sind, verrotten sie nicht. Da für den Torfabbau die Oberfläche aber entwässert werden muss, wird die Situation für die Häuser bedrohlich.

Ortsvorsteherin Frieda Dirks und Gerd Rust nahmen die Mitglieder des Arbeitskreises auf einem vom Trecker gezogenen Anhänger mit durch das Gebiet zwischen der I. und II. Reihe. „Ohne Wasser ist hier nichts mehr sicher“, so Rust. Er zeigte anhand von einigen Häusern, dass es bereits Schäden durch den Torfabbau gibt. Durch Erschütterungen, die die schweren Tranportfahrzeuge künftig auf den Straßen verursachten, werde es sicher noch schlimmer werden.

Quelle: Ostfriesen-Zeitung, 8. Juni 2013