Land will Moore besser schützen

Ausstiegsmodell Torfabbau (Foto: Lilje)

Ausstiegsmodell Torfabbau (Foto: Lilje)

Hannover. Rund 235 000 Hektar Moore gibt es in Niedersachsen. Doch die Gebiete sind durch Landwirtschaft und Rohstoffgewinnung stark gefährdet. Mit einem Schutzprogramm will die Landesregierung die sensiblen Ökosysteme und das Klima besser schützen.

Zum Schutz von Natur und Klima will das Land Niedersachsen Moore besser schützen. Dazu sollen 23 000 Hektar, die bislang als Vorranggebiete zum Torfabbau vorgesehen sind, aus dem Raumordnungsprogramm gestrichen werden, sagte Agrarminister Christian Meyer (Grüne) am Montag in Hannover. Der klimaschädliche Torfabbau werde dadurch zwar nicht sofort gestoppt, jedoch könne in der neuen Raumplanung, die in Absprache mit Kommunen, Industrie und Landwirten bis Ende 2014 festgelegt werden soll, nach alternativen Nutzungen gesucht werden. Die gültigen Genehmigungen für rund 17 000 Hektar Moore, die teilweise bis 2060/2070 gelten würden, blieben bestehen. Rund 80 Prozent des deutschen Torfs kommen aus Niedersachsen.

„Als eines der moorreichsten Bundesländer hat Niedersachsen eine besondere Verantwortung“, sagte Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Zwölf Prozent des landesweit freigesetzten Klimakillers CO2 stamme aus degenerierten und falsch bewirtschafteten Mooren. Darüber hinaus seien Moore als „Schwämme“ gute Wasserspeicher, die auch eine wichtige Funktion zum Schutz vor Hochwassern einnehmen könnten. Er kündigte an, den Schutz der Moore als Teil der Klimaschutzstrategie auch in der kommenden Woche bei der Haushaltsklausur der Regierung für 2014 in die Diskussion einbringen zu wollen.

Statt zur Torfgewinnung sollen alle geeigneten Moorflächen künftig als natürlicher CO2-Speicher besonders geschützt werden, betonte Meyer. Um den Wegfall des Torfs – etwa in der Landwirtschaft und im Gartenbau zu kompensieren, wolle das Land die Erforschung deutlich stärken.

Während im Hobbybereich etwa durch Kompost der Einsatz von Torf gut kompensiert werden könne, gebe es bei der Erwerbslandwirtschaft noch keine Alternativen, sagte Joachim Blankenburg vom Geologischen Dienst für Bremen. „Hier ist die Industrie gefordert, Alternativen zu entwickeln. Es ist aber noch viel Arbeit notwendig.“

Die angestoßenen Maßnahmen seien ein Schritt in die richtige Richtung, lobte Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz. Um die Moore langfristig zu schützen, bedürfe es jedoch einer Vielzahl von Maßnahmen. Gemeinsam mit Landwirten müsse etwa über nachhaltige Formen der Bewirtschaftung von sensiblen Moorflächen nachgedacht werden. Dies sei auch in deren eigenem Interesse. Knapp 90 Prozent der deutschen Moore würden landwirtschaftlich genutzt.

Angesichts knapper Haushaltskassen sei der Moorschutz eine besonders attraktive und effektive Form, den Klimawandel zu bremsen. Andere Maßnahmen seien – umgerechnet auf die eingesparten Tonnen CO2 – deutlich teurer, betonte Wenzel. (dpa)

Quelle: Weser Kurier vom 24.06.2013