Studie: Zu viel Stickstoff fürs Moor

Twist. Ein deutsch-niederländisches Forschungsteam hat im emsländischen Twist Ergebnisse einer Studie vorgestellt. Darin ging es um die Belastung von Mooren mit Stickstoff und mögliche Gegenmaßnahmen.

Etwa 40 Vertreter aus Behörden, Forschungseinrichtungen, Städten und Gemeinden von beiden Seiten der Grenze haben sich beim Gasthof Backers in Twist die Studie vorstellen lassen. Im Wesentlichen beinhaltete sie neuartige und sehr ausführliche Messungen des Stickstoffeintrages aus der Luft in elf Moore auf dem Gebiet des Naturparkes Moor.

Anlass der Studie ist die Überdüngung der Landschaft durch sogenannten reaktiven Stickstoff, der über weite Entfernungen verweht werden kann. Er stammt hauptsächlich aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung und aus Industrie und Verkehr. Dass im Nordwesten Europas jeder Quadratmeter einer schädlichen Stickstofffracht ausgesetzt ist, war bekannt. Die Frage war: Wie viel Stickstoff wird tatsächlich eingetragen, und was kann man dagegen tun? Bislang gab es nur Hochrechnungen, die auf wenigen alten Messungen basierten. Für das Emsland war man von 35 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr ausgegangen, so viel, wie noch vor einigen Jahrzehnten gezielt auf Äckern gedüngt wurde.

Weil Moore besonders empfindlich sind, hat der Naturpark Moor mit Sitz in Meppen das 770000 Euro teure Forschungsvorhaben initiiert. Finanziert wurde es zu 80 Prozent aus Interreg-Mitteln. Auf deutscher und niederländischer Seite haben Wissenschaftler mit Behörden und Landwirtschaft neue Methoden angewandt. Einen wissenschaftlich so belastbaren Stickstoffwert hat es in Deutschland bislang nicht gegeben.

Das Ergebnis: Etwa 25 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr rieseln auf die untersuchten Moore nieder. Weniger als gedacht, aber dennoch ein Problem, denn Moore können nur etwa fünf Kilogramm vertragen. Darüber hinaus verschwindet die empfindliche Pflanzenwelt, am Ende ist ein ganzer Lebensraum gefährdet.

Landrat Reinhard Winter (Emsland), Rein Munniksma (Provinz Drenthe) und Hermann Wessels von der Ems-Dollart Region lobten die „überregional bedeutsamen Ergebnisse“ der Studie und ihren grenzüberschreitenden Charakter. Karsten Mohr von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen, fasste am Ende einer gut einstündigen Präsentation durch mehrere Wissenschaftler aus Deutschland und Holland zusammen: „Der Stickstoffeintrag aus Landwirtschaft und Verkehr lag bei den untersuchten Flächen bei etwa 24 bis 27 Kilogramm pro Hektar und Jahr. Die bislang angenommenen 36 und mehr Kilogramm werden nicht erreicht, aber die kritische Grenze für Moore ist um das Fünffache überschritten.“

Etwa ein Viertel der Belastung stammt aus einem Radius von fünf Kilometern rund um die verschiedenen Messstellen. Die übrige und damit überwiegende Stickstoffmenge wird in der Studie als Ferntransport aus anderen Regionen verbucht.
Landwirte informieren

Sie muss aber, das sagte Werner Kutsch vom Thünen Institut auf Nachfrage nach der Präsentation, anteilig ebenfalls als regional verursacht betrachtet werden, da Stickstoff, der als Ammoniak aus emsländischen Ställen und vor allem bei der Düngergabe entweicht, die fünf Kilometer spielend per Luftfracht überwindet. Schon an einer zehn Kilometer entfernten Messstelle im Naturpark-Gebiet werde er dann als Ferntransport gewertet.

Die Wissenschaftler haben auch mögliche Gegenmaßnahmen untersucht. Zum einen ist es demnach möglich, empfindlichen Lebensräumen Stickstoff zu entziehen, indem sie maschinell gepflegt oder mit einer Baumreihe umgeben werden. Vor allem die Abholzung von Birkenbruchwäldern auf Torf lohnt sich, betrifft aber einen sehr artenarmen Lebensraum. Bei niedrig bewachsenen, moorigen Lebensräumen ist der Effekt kaum zu erzielen.

Wirksamer sind der Studie zufolge Maßnahmen in der Landwirtschaft. Karsten Mohr: „Die Ausbringung von Gülle lässt sich so gestalten, dass deutlich weniger Ammoniak in die Luft gelangt. Auch sollte man Güllebehälter abdecken und die Abluft von Ställen filtern.“

Da niederländische Landwirte hier schon weiter seien als deutsche, müssten die Bauern dort nur rund 420000 Euro für gezielte Maßnahmen aufbringen, wolle man mindern, was zu mindern sei. Im deutschen Naturpark-Gebiet benötige man rund zehn Millionen Euro, die aber auf mehr als 600 Betriebe verteilt wären. Mit allen Maßnahmen zusammen könne man etwa drei bis vier Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr sparen.

Landrat Winter freute sich, dass die Landwirtschaft im Emsland ihm angekündigt habe, sich des Themas anzunehmen, um ihren Beitrag zur Stickstoffreduzierung zu leisten. Es seien mehrere Informationsveranstaltungen geplant, um die Ergebnisse der Studie zu präsentieren und die Landwirtschaft gemeinsam umweltverträglich weiterzuentwickeln.

Quelle: Osnabrücker Zeitung vom 21.06.2013