Ahlenmoor-Wissen für Klimaschutz in Russland

WANNA. So weit das Auge reicht, nichts als flaches, feuchtes Moor: Birken, Kiefern, Sauergräser, dicke Moospolster – und absolute Menschenleere. Mitten in dieser Weite des Ahlenmoors stehen 27 russische Wissenschaftler, Naturschützer und Politiker. Sie interessieren sich für die Moor-Biologie und vor allem für die Wiedervernässung von Mooren. Damit es in Russland in Zukunft zu weniger Torfbränden kommt, ist deutscher Rat gefragt.

Im MoorInformationsZentrum in Ahlen-FalkenbergIn informierte sich die russische Delegation über Wiedervernässungsmöglichkeiten und nachhaltige Nutzungskonzepte nasser Moorböden. Foto: Mangels/NEZ

Im MoorInformationsZentrum in Ahlen-FalkenbergIn informierte sich die russische Delegation über Wiedervernässungsmöglichkeiten und nachhaltige Nutzungskonzepte nasser Moorböden. Foto: Mangels/NEZ

Nach den dramatischen Wald-und Torfbränden im Sommer 2010 will Russland mit deutscher Hilfe das Feuerrisiko in den Gebieten um Moskau senken. Rund 41 500 Hektar einst trockengelegter Moore sollen wieder versumpft werden – angelegt ist das Projekt auf vier Jahre. Unterstützung bekommen die Russen dabei von der Michael-Succow-Stiftung in Greifswald. Sie wurde 1999 vom gleichnamigen Träger des Alternativen Nobelpreises gegründet und hat sich auf Naturschutzprojekte in den früheren Ostblockländern konzentriert.

Seit Montag ist die Succow-Stiftung mit russischen Vertretern aus Ministerien, Umweltverbänden und Wissenschaft Moorschutzprojekte in Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern unterwegs, um sich über Wiedervernässungsmöglichkeiten und nachhaltige Nutzungskonzepte nasser Moorböden zu informieren. In Zusammenarbeit mit der „Aktion Moorschutz“ machte die Gruppe am Mittwoch Station im MoorInformationsZentrum (MoorIZ) in Ahlen-Falkenberg. MoorIZ-Leiterin Karin Fäcke führte die Gruppe durch die interaktive Erlebnisausstellung und das Ahlenmoor. „Mit Power-Point-Präsentationen lassen sich die Besonderheiten des Moores nicht vermitteln“, sagt Fäcke.

Bei dem Besuch wurde deutlich, dass es noch einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten gilt, um die Erkenntnisse zum Erhalt und zur Revitalisierung der Moore nach Russland zu tragen. „In Russland ist ein technokratisches Denken noch weitverbreitet“, erläuterte Jan Peters von der Michael-Succow-Stiftung, der die Gruppe bei ihrer Deutschland-Tour begleitet. Es reiche aber nicht aus, nur die Schöpfwerke zu öffnen und die Flächen unter Wasser zu setzen. Drainagegräben müssten verschlossen und Schöpfwerke vollständig zurückgebaut werden, um ein nachhaltiges Wachstum der Moore zu ermöglichen.

Die Experten der Stiftung gehen davon aus, dass sich mit der Wiedervernässung der Ausstoß des klimaschädlichen CO2 deutlich reduzieren lässt – um rund 10 Tonnen pro Hektar und Jahr.

Quelle: Niederelbe-Zeitung vom 13.06.2013