Gnarrenburg: Torfwerke stellen Abbauantrag

Anm. der Aktion Moorschutz: Die Torfindustrie wirbt mit altbekanntem Pseudo-Naturschutzargument für ihr Vorhaben. Einen über Jahrtausende gewachsenen Moorboden erst völlig zu zerstören, um anschließend die Reste aus der Nutzung zu nehmen hat nichts mit Naturschutz zu tun, auch dann nicht wenn andere Intensivnutzungen ebenfalls am Boden zehren. Mit „langfristigem Klimaschutz durch die Torfindustrie“ meint Meiners wohl die nächsten paar tausend Jahre. Erstaunlich, wie weit er vorausplanen kann. Aber lesen Sie selbst.

Torfabbau der Firma Gramoflor. Foto: Lilje

Torfabbau der Firma Gramoflor. Foto: Lilje

Unter den kritischen Augen von Naturschützern hat das neue Torfwerk Sandbostel kürzlich beim Landkreis Rotenburg einen Abbauantrag für eine Fläche von 100 Hektar Land im Gnarrenburger Moor gestellt. Dass Torfabbau und Naturschutz bei aller Kritik kein Widerspruch sein müssen, finden zwei Männer, die sich jetzt erstmals gemeinsam für ein BZ-Gespräch zur Verfügung stellten: Manfred Bischoff , Geschäftsführer des Torf- und Humuswerk Gnarrenburg und Olaf Meiners, Chef des Torfwerk Sandbostels. Thomas Schmidt

Auch wenn Meiners und Bischoff mit ihren Unternehmen Konkurrenten auf dem hart umkämpften Torfmarkt sind, suchten sie gemeinsam das Gespräch mit der BZ. „Wir sind da schon im selben Boot“, sagte Bischoff – auch mit Blick auf die geänderten Rahmenbedingungen der rot-grünen Landesregierung, die Vorranggebiete für Torfabbau künftig auf Null fahren wollen (BZ berichtete).

Dass das Torfwerk Sandbostel, eine neugegründete Gesellschaft des Torfwerks Meiners in Borstel und der Firma Gramoflor in Vechta (siehe auch unten stehenden Beitrag) trotz des Gegenwinds aus Hannover und der zurzeit laufenden Gespräche am Runden Tisch seinen Abbauantrag in diesem Monat gestellt hat, begründete Meiners mit dringenden betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten. Es wäre schlicht verantwortungslos seinem Unternehmen gegenüber, wenn er diesen Antrag aufgrund der jahrelangen Vorbereitungen und Planungskosten sowie der Investitionen in die gekauften Flächen nicht jetzt stellen würde.

Dass er sich rechtliche Schritte gegen den Landkreis vorbehalte, falls es keine Genehmigung gibt, ließ Meiners nicht unerwähnt. Schließlich spreche das gegenwärtige Raumordnungsprogramm eine deutliche Sprache und weise Vorranggebiete für Torfabbau aus – und die in Frage kommenden Gebiete liegen ja keineswegs in einer intakten Moorlandschaft oder im Naturschutzgebiet: „Torfabbau erfolgt ausschließlich auf bereits entwässerten, land- oder forstwirtschaftlich genutzten Flächen. Natürliche, noch lebende Moore sind streng geschützt und werden nicht abgetorft“, stellt Meiners klar. Und die unveränderte, landwirtschaftliche Nutzung der Flächen führe zur Aufzehrung des gesamten Torfkörpers – die Flächen werden heruntergewirtschaftet. „Durch Staunässe und Nährstoffanreicherung der Flächen kommt es zu einer Verbinsung der Flächen, die eine weitere zielführende Nutzung (Landwirtschaft oder Naturschutz) praktisch ausschließt.“

Auch wenn sie sich darüber im Klaren seien, dass ihre These auf den ersten Blick provozierend klingen, sind sich Bischoff und Meiners einig, dass Torfabbau ein Beitrag zum Naturschutz sei. „Beim Torfabbau hingegen verbleibt eine Restmächtigkeit von mindestens einem halben Meter Torf im Moor und dient als Initial für die Renaturierung. Mit Torfabbau werden also langfristig naturnahe Renaturierungsflächen geschaffen, die ansonsten von der Landwirtschaft praktisch abgebaut werden“, erklären Bischoff und Meiners unisono.

Auch die These der Naturschützer, dass Torfabbau ein Klimakiller sei, relativieren die beiden Manager der Torfindustrie. „In allen Mooren, die nicht wiedervernässt und renaturiert werden, wird der Torfkörper aufgezehrt. Hierdurch werden klimaschädliche Treibhausgase freigesetzt. Beim Torfabbau wird der Torfkörper ebenfalls langfristig aufgezehrt, allerdings verbleibt hierbei eine Restmächtigkeit von mindestens einem halben Meter Torf im Moor“, sagt Meiners und verweist auch in diesem Zusammenhang auf die Initialwirkung für die Renaturierung. Langfristig sei damit „Torfabbau Klimaschutz, weil langfristig wieder klimaschädliche Treibhausgase gespeichert werden.“

Dass die Torfindustrie den Schulterschluss mit Naturschützern suche, lässt Meiners ebenfalls nicht unerwähnt: „Ohne Torfabbau fehlen die finanziellen Mittel, die Flächen langfristig in einen geordneten Natur- und Klimaschutz zu überführen, da die Eigentümer ihre Flächen nicht ohne Entschädigung zur Verfügung stellen würden. Der Torfabbau muss die Flächen vor Abbau ohnehin kaufen und verfügt damit langfristig über den Zugriff auf die Flächen.“ Dasselbe gelte für den Hochwasserschutz: „Anwohner in der Gemeinde Gnarrenburg sind seit Jahrzehnten regelmäßig von Hochwasser betroffen. Die Situation wird verschärft durch intensive landwirtschaftliche Nutzung der Flächen, da die intensiv genutzten und durchweg drainierten Grünländer und Ackerflächen das Niederschlagswasser schneller abfließen lassen. Zusätzlich wird die Vorflut tiefer gelegt“, betont Meiners. Es fehle zurzeit mithin ein übergeordnetes Konzept und der Flächenzugriff, um Gegenmaßnahmen umzusetzen. Torfabbau werde dagegen großräumig geplant und gehe mit intensiven Untersuchungen einher. „Hierdurch werden automatisch wertvolle Informationen über die Gewässersituation gesammelt, die in eine großräumige Planung einfließen können. Der Torfabbau wird schlussendlich nur genehmigt, wenn der Torfabbauer sicherstellen kann, dass der Wasserabfluss aus den Flächen nicht höher wird als dies jetzt der Fall ist“, stellt Meiners klar.

Der Torfabbau sichere überdies großräumig, auch über die eigentliche Abbaukulisse hinaus, Flächen und ermögliche auf diese Weise, dass auch Pufferzonen als Übergang zu Siedlungsflächen geschaffen werden. „Diese Flächen können im Sinne der Anwohner beplant werden. Zusätzlich haben die Torfwerk Sandbostel GmbH bereits zugesichert, freiwillig den gesetzlich geforderten Mindestabstand zur Wohnbebauung zu erhöhen.“

Wichtig ist Meiners der Hinweis auf den relativ geringen Flächenverbrauch im Vergleich zur Landwirtschaft. Das Torfwerk Sandbostel beanspruche in etwa soviel Fläche wie die Landwirtschaft für den Betrieb nur einer einzigen Biogasanlage benötige.

„Das Gnarrenburger Moor hat eine Gesamtgröße von 5 000 Hektar. Hiervon sind zurzeit 2 300 Hektar als Vorranggebiet für Torfabbau ausgewiesen. Torfabbau erfolgt damit auf relativ kleiner Fläche.“ Die Torfzehrung betrage auf landwirtschaftlich genutzten Flächen zwischen ein und drei Zentimeter pro Jahr. „Selbst extensiv oder forstwirtschaftlich genutzte Flächen verlieren jährlich 0,5 Zentimeter Torf: Bei einer durchschittlichen angenommenen Torfzehrung von 1,5 Zentimeter auf 5 000 Hektar werden jährlich rund 750 000 Kubikmeter Torf aus dem Gnarrenburger Moor in die Luft geblasen“, betont Meiners. Diese Menge sei fast doppelt so groß, wie die beiden im Gnarrenbuger Moor tätigen Unternehmen aktiv abbauen wollen.

Wie die Gegner des Torfabbaus argumentieren auch die beiden Torfmanager mit dem Thema Tourismus: Die Schaffung von Renaturierungsflächen steigere die Attraktivität des Raums für den Tourismus, ist Meiners überzeugt. „Auch Abbauflächen selbst erfreuen sich in anderen Gebieten als fester Bestandteil von touristisch geplanten Fahrradrouten hoher Beliebtheit und sind damit ein Beitrag für den Tourismus“, betont der Chef des Torfwerks Sandbostel und findet die Nutzung der Flächen als Acker- und Intensivgrünland „eher kontraproduktiv“.

Auf lange Sicht sei Torf nicht ersetzbar, lautet das Fazit von Bischoff und Meiners. Daran werde auch die Entscheidung der Landesregierung, die Vorranggebiete zu streichen, nichts ändern, heißt im Gespräch mit der Redaktion.

Weil der Gartenbau im internationalen Wettbewerb stehe, benötige die Branchen nach Einschätzung von Meiners und Bischoff „die beste und produktivste Erde“ für die Anzucht. „Torf ist und bleibt hierfür – trotz jahrzehntelanger Forschung – das am besten geeignetste Material, so dass der Gartenbau es sich nicht leisten kann, hierauf zu verzichten“, betont Meiners.

Die Einstellung des Torfabbau sei auch deshalb wenig sinnvoll, so Meiners weiter, weil in diesem Fall mit verstärkten Importen aus dem Baltikum zu rechnen sei. „Dies wirkt kontraproduktiv auf das Ziel, die Klimaauswirkungen zu reduzieren, da die Transportbelastung beim Torfimport größer ist und die Abbau- und Renaturierungsbestimmungen in Deutschland als die strengsten gelten.“

Auch die Einfuhr von Kokusmehl aus Asien könne nicht im Sinne der Naturschützer sein. Mal ganz abgesehen von den zum Teil desaströsen sozialen Standards bei der Produktion spreche auch der lange Transportweg aus Klimaschutzgründen gegen die Verwendung von Kokosmehl, das zudem noch weniger leistungsstark sei als Torf.

Olaf Meiners

Quelle: Bremervörder Zeitung, 30.05.2013, unterzeichnet ist der Artikel übrigens vom Torfwerk-Inhaber