Aufwind für den Moorschutz

Naturschützer wollen mehr Moore

Hannover. Moore sind natürliche Kohlenstoffspeicher. Werden sie für die Torfgewinnung abgebaut oder für die Landwirtschaft trockengelegt, wird das Treibhausgas Kohlendioxid freigesetzt. „Mehr als 95 Prozent der deutschen Moore sind heute aufgrund entwässerungsbedingter Torfersetzung bedeutende Emittenten für klimarelevante Gase und gewässerbelastende Nährstoffe.

Die Klimarelevanz wurde bisher eher unzureichend bewertet und nur vereinfacht in der nationalen Treibhausgasbilanz berücksichtigt“, heißt es in einem gemeinsamen Positionspapier der Naturschutzbehörden Niedersachsens, Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und Bayerns. Diese Bundesländer fühlen sich wegen ihrer großen Moorflächen besonders verantwortlich.

„Die Emissionen von Treibhausgasen (Kohlendioxid und Lachgas) aus entwässerten Mooren erreichen in den norddeutschen Flächenländern die Größenordnung von zehn bis 30 Prozent der Gesamtemissionen“, stellen die Experten fest. Niedersachsen ist in besonderem Maße betroffen. Hier liegen circa 70 Prozent der deutschen Hochmoore. 60 Prozent der niedersächsischen Moorflächen werden land- und forstwirtschaftlich genutzt, auf circa elf Prozent erfolgt Torfabbau. Die Kohlendioxid-Emissionen aus den Mooren betragen in Niedersachsen laut Landesnaturschutzbehörde 9,3 Millionen Tonnen pro Jahr. Das entspricht einem Anteil von zehn Prozent an den Gesamtemissionen. In Mecklenburg-Vorpommern beträgt der Anteil der Mooremissionen an den Gesamtemissionen des Bundeslandes sogar 27 Prozent.

In ihrem gemeinsamen Positionspapier stecken die Naturschutzbehörden ein klares Ziel: Bis 2015 sollten bis zu zehn Prozent mehr Moorflächen wieder vernässt sein als bislang geplant. Zudem sollte spätestens ab 2025 kein Torf mehr abgebaut werden. Ganz so schnell wird es nach Einschätzung von Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) nicht gehen. Schließlich reichten die Torfabbaugenehmigungen teils bis ins Jahr 2075. Damit es keine neuen Genehmigungen gibt, will die niedersächsische Landesregierung die bestehenden Vorranggebiete für den Torfabbau komplett aus dem Landesraumordnungsprogramm streichen. „Der Verlust unserer Moore ist ein echter Klimakiller“, weiß Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne). Es gelte, die natürlichen Kohlenstoffsenken zu sichern.

Laut aktueller Forschungen, unter anderem an der Technischen Universität München und der Universität Greifswald, kann die Kohlendioxidemission durch die Wiedervernässung von Mooren um bis zu 30 Tonnen pro Hektar und Jahr reduziert werden. Um die Wiedervernässung zu beschleunigen, handeln Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mit Moor-Zertifikaten. Unternehmen können diese kaufen, um ihre Klimabilanz zu verbessern. Mit dem Geld werden dann konkrete Renaturierungsmaßnahmen bezahlt. So können Unternehmen klimaschädliche Flugreisen und sogar ganze Produktionsprozesse kompensieren, indem sie in den Schutz der Moore investieren. Bei der Vorstellung der Zertifikate in Brüssel erklärte der Direktor für Klimastrategie bei der Europäischen Union, Artur Runge-Metzger: „Moorschutz ist ein Hotspot für den Klimaschutz.“

Wegen der Bedeutung der Moore für das Klima entsteht in Wagenfeld (Kreis Diepholz) ein Europäisches Fachzentrum Moor und Klima. 1,6 Millionen Euro Fördermittel werden verbaut. Mitinitiator und Betreiber ist der Landesverband Niedersachsen im Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Zum ersten Spatenstich am Dienstag wird der niedersächsische Umweltminister Stefan Wenzel erwartet.

Die Torfindustrie sieht sich unterdessen zu Unrecht diffamiert. So betont der Industrieverband Garten, dass für den Torfabbau keinerlei intakte Moorflächen entwässert und zerstört würden. Die Branche nutze degenerierte Flächen, die für eine landwirtschaftliche Nutzung bereits vor Jahrhunderten entwässert wurden und über keinerlei typische Moorfauna mehr verfügen. Nach Abschluss der Torfgewinnung verbleibe eine Resttorfschicht und bilde durch Wiedervernässung das Initial für die Moorregeneration. „Innerhalb weniger Jahre stellt sich ein Torfmooswachstum ein, und es entwickelt sich aus der vormals landwirtschaftlichen, degenerierten Fläche ein intaktes Moor, das Kohlenstoff aufnimmt“, betont der Verband in einer Pressemitteilung.

Quelle: Weser Kurier, 16.05.2013