Neues Buch: Moorschutz ist Klimaschutz

Moore speichern mehr Kohlenstoff als jedes andere Ökosystem der Welt. Umso wichtiger ist ihr Erhalt. „Moorschutz ist Klimaschutz“, sagt Jochen Bertzbach aus Fischerhude. Der frühere Fischerhuder Ortsbürgermeister und langjährige Kommunalpolitiker hat erneut ein Buch zum Thema vorgelegt.

Fischerhude. „Der Andrang zum ‚Entkusseln’ des Quelkhorner Moores im Frühjahr wird immer größer“, sagt Jochen Bertzbach mit einem Schmunzeln. Hinter dem verniedlichenden Begriff steht handfeste Arbeit. Freiwillige Naturschützer, darunter ganze Belegschaften von ortsansässigen Unternehmen, schwärmen aus, um das Quelkhorner Moor von nachwachsenden Birken oder anderen Sträuchern zu befreien, die dem Moor das Wasser entziehen würden. Der Hintergrund: Durch die mühsame Plackerei bleibt das Moor „vernässt“ und entwickelt sich wieder zum ursprünglichen wertvollen Biotop, das seltenen Pflanzen wie Sonnentau und Wollgras oder Tieren Lebensraum bietet. „Der Erhalt der Moore ist lebensnotwendig und ein ganz wichtiger Beitrag zum Klimaschutz“, sagt Jochen Bertzbach (78).

Der frühere Fischerhuder Ortsbürgermeister und Umweltpolitiker aus den Reihen der SPD, arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Kreisveterinär im benachbarten Kreis Osterholz und hat sich intensiv mit dem Quelkhorner Moor beschäftigt. Er hat bereits zwei Broschüren und Bücher zum Thema vorgelegt und ergänzt die Reihe nun mit dem neuen Buch „Moorschutz ist Klimaschutz“. In dem Buch geht es nicht nur um die erfolgreiche Wiedervernässung des mit 50 Hektar relativ kleinen Quelkhorner Moores, sondern auch um die ganz allgemeine Thematik des Klimaschutzes im Bezug auf den Erhalt der Moore.

„Moore speichern weltweit ein Drittel der irdischen Kohlenstoffvorräte, obwohl sie nur etwa drei Prozent der Landfläche bedecken“, schreibt Bertzbach. Die Hauptsorge gelte deshalb der Trockenlegung und Brandrodung von Mooren, wie sie beispielsweise zurzeit im großen Stil in Südostasien erfolgt. Aber auch die entwässerten Moorböden in Europa tragen nach Bertzbachs Auffassung erheblich dazu bei, die Menge des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre zu erhöhen. Der Kohlendioxid-Ausstoß ist weltweit seit der Verabschiedung der Weltklimakonvention 1992 um rund die Hälfte angestiegen mit einem neuen Rekord im Jahre 2011. So drohen im Laufe dieses Jahrhunderts regelmäßig extreme Hitzewellen besonders in den Tropen, zudem Missernten, die die globale Ernährungssicherheit bedrohen, und ein Meeresspiegelanstieg bis zu einem Meter, zitiert Bertzbach aus einer Studie, die die Weltbank in Auftrag gegeben hatte und in der eindringlich vor den drastischen Folgen des ungebremsten Klimawandels gewarnt wird, der auch in Norddeutschland zu spüren sein wird.

Selbst der kalte und lange Winter, der in diesem Jahr den Norden im Griff hatte, bedeute keine Entwarnung. „Im Gegenteil: die langen Winter sind durch das starke Abtauen des arktischen Meereises bedingt. Der Luftdruckgegensatz zwischen Arktis und den mittleren Breiten fällt damit nur gering aus und die arktische Kälte kann bis zu unserer Region vordringen“, schreibt Bertzbach und bezieht sich auf einen Bericht des Alfred-Wegener-Institutes. Würden weitere Moore großflächig entwässert, steigern sich die Treibhausemissionen beträchtlich, sagt der Fischerhuder. „Die große Bedeutung der Moore für die globale Klimaregulation muss also mehr in das Bewusstsein der Menschen gerückt werden“, so der Autor.

In dem Buch sind erschreckende Bilder von Brandrodungen der Moore in Indonesien enthalten. Sie werden hier für die Anlage von Palmölplantagen als Energiepflanzen geopfert. Aber auch in Europa gebe es großflächige Moorzerstörung wie in Irland, zum Teil sogar von der EU subventioniert. „Die EU hat in Irland den Bau von Kraftwerken gefördert, die ausschließlich mit Torf befeuert werden. Diese Anlagen verheizen pro Jahr zwei bis drei Millionen Tonnen Torf, so dass Irland 2020 über keinen Torf mehr verfügen wird“, klagt Bertzbach.

Rückzugsort für Flora und Fauna

Was hat das alles mit Fischerhude-Quelkhorn zu tun? Eine ganze Menge findet der Autor. Hier ist es der Initiative erfolgreich gelungen, das rund 50 Hektar große Moor wieder zu vernässen. „Natürlich spielt der Erhalt eines so kleinen Moores in der allgemeinen Klimabilanz keine Rolle“, weiß auch Bertzbach. Aber viele kleine Initiativen in dieser Form könnten etwas bewirken. Außerdem zeige das Beispiel aus Quelkhorn, wie eine Umkehr eingeleitet werden könne. Schon seit 1984 engagiert sich die Initiative für den Erhalt des Moores. Entwässerungsgräben wurden geschlossen, Büsche und Birken entfernt. Mitgemacht haben viele Leute aus der Gemeinde, Schulen, Vereine, Mitarbeiter von örtlichen Unternehmen – und schon nach kurzer Zeit gab es erste Erfolge.

Torfmoose und Wollgras entwickelten sich wieder. Zahlreiche Libellen sind zu entdecken, die Kreuzotter ist wieder zu sehen und es gibt 60 Brutnachweise von gefährdeten Vogelarten, wie beispielsweise Gelbspötter, Rohrammer, Schwarzspecht und Pirol.

Illustriert ist das Buch, das einen Gesamtumfang von 50 Seiten hat, mit zahlreichen Fotografien des Autors.

„Moorschutz ist Klimaschutz“ ist im Soeste-Verlag erschienen und für acht Euro im örtlichen Buchhandel oder beim Autoren, Telefon 04293/7490, erhältlich.

Quelle: Weser Kurier, 30.04.2013