Torfabbau in Niedersachsen

Hannover. In Wardenburg bei Oldenburg sorgt der braune Bodenschatz derzeit für tiefe Gräben. Der Landkreis hat die Ausweitung des seit den 1950er-Jahren betriebenen Torfabbaus im Moorgebiet „Auf dem Meersfelde“ genehmigt, die Gemeinde läuft dagegen Sturm.

Der Unternehmer verstoße gegen die Auflagen, entwässere zu schnell und grabe viel zu tief, lauten die Vorwürfe. Dies gefährde eine sinnvolle Nachnutzung, eine Renaturierung des Moores werde unmöglich. Im Umweltministerium trafen sich die Streithähne jetzt zu einem Vermittlungsversuch – das Ergebnis ist noch offen.

Die neue rot-grüne Landesregierung hat sich den Moorschutz auf die Fahnen geschrieben und dabei den industriellen Torfabbau als Hauptfeind ausgemacht. Vor zwei Wochen läutete Agrarminister Christian Meyer (Grüne) die Änderung des Landesraumordnungsprogramms (LROP) ein. Dieses hatte sein CDU-Vorgänger Gert Lindemann erst im vergangenen Jahr neu aufgestellt und darin 21.364 Hektar neue Vorranggebiete für die Torfgewinnung ausgewiesen – unter anderem in den Kreisen Rotenburg, Cuxhaven, Wesermarsch und Ammerland. Meyer will das gemeinsam mit Umweltminister Stefan Wenzel jetzt komplett umkehren und überhaupt keinen neuen Torfabbau mehr zulassen. Die Moorflächen sollen nun überwiegend den Vorrang-Stempel „Klimaschutz“ bekommen. Eine andere Nutzung wäre damit ausgeschlossen.

„Mehr als 30 Jahre gelebte Symbiose“

Dagegen wehrt sich die Gartenbauindustrie in Niedersachsen. Erst ein geordneter Torfabbau ebne die Schaffung neuer, intakter Moore durch eine verbindliche Wiedervernässung. Von einer „mehr als 30 Jahre gelebten Symbiose“ spricht Tanja Constabel von der Bundesvereinigung Torf- und Humuswirtschaft. „Für die Torfindustrie werden keinerlei intakte Moorflächen entwässert und zerstört.“

Vielmehr nutzten die Unternehmen „degenerierte Flächen, die für eine landwirtschaftliche Nutzung vor Jahrhunderten entwässert wurden und über keinerlei typische Moorflora mehr verfügen.“ Dort werde der Torf bis auf eine Schicht von einem halben Meter abgebaut, dann würden die Wasserabflüsse geschlossen, sodass sich die Fläche dank Niederschlägen wieder komplett vernässen könne. Dadurch wachse innerhalb weniger Jahre Torfmoos, ein neues intaktes Moor entwickle sich und binde den Klimakiller Kohlendioxid (CO2).

Für die Torfindustrie schadet eher eine intensive Landwirtschaft den Hochmooren. Selbst als Grünland sacken nach Expertenangaben die Moore immer weiter ab, verbinsen, oxidieren und setzen dann klimaschädliche CO2-Emissionen frei.

Nabu mahnt konsequentes Vorgehen an

So mahnt denn auch der Naturschutzbund (Nabu) von der Landesregierung ein konsequentes Vorgehen an. Die Vorranggebiete für Torf einfach aufzulösen, dort aber Landwirtschaft zuzulassen – „das darf nicht passieren“, meint Nabu-Landeschef Holger Buschmann. Großflächige Moorgebiete müssten wieder vernässt und unter Naturschutz gestellt werden. Bei durch Zersiedlung bereits zerstörten Mooren könne man durchaus auch weiter Torfabbau zulassen – gegen entsprechende Ausgleichsmaßnahmen.

Umweltminister Wenzel verspricht, im Anhörungsverfahren für das neue LROP Wirkungen und Folgen der unterschiedlichen Nutzungen wie Landwirtschaft und Abbau zu beraten und sorgfältig abzuwägen. „Es kommt immer darauf an, was auf der Fläche passiert.“ Rot-Grün halte aber an dem Ziel fest, eine umfassende Schutzkulisse „Norddeutsche Moorlandschaft“ zu schaffen.

Quelle: Weser Kurier, 23.04.2013