Diepholz: Torfabbau für Klimaschutz?

Siedenburg. Er ist elementar für die Herstellung von Pflanzenerde: Torf – ein Rohstoff, der im Landkreis Diep holz eine bedeutende Rolle spielt.

Während Landwirtschaftsminister Christian Meyer den Torfabbau in Niedersachsen offenbar einschränken will, läuft im Landkreis Diep holz ein Raumordnungsprogramm für die Abtorfung von 154 Hektar Fläche im Borsteler Moor. Noch bis zum 30. April haben Bürger die Möglichkeit zur Stellungnahme.

Gestellt hat den Antrag auf Abbau die Siedenburger Firma Meiners. Das Unternehmen produziert Pflanzenerde, beschäftigt insgesamt 40 Mitarbeiter. Die Ankündigung des Landwirtschaftsministers, die Vorranggebiete für den Torfabbau aus dem Landesraumordnungsprogramm zu streichen, empfindet Firmenchef Olaf Meiners wie einen „Schlag ins Gesicht für jeden Unternehmer, der langfristig planen muss!“

Denn 2012 sei das Landesraumordnungsprogramm, das in der Regel eine Laufzeit von zehn Jahren habe, noch von der Landesregierung bestätigt worden. Auf dieser Grundlage hatte Meiners Vorratsflächen erworben. Welchen Wert sie nach der Entscheidung des neuen Landwirtschaftsministers noch haben, ist zurzeit noch offen.

Zwar gilt für bereits erteilte Abbaugenehmigungen Bestandsschutz, aber die jetzt beantragten 154 Hektar gehören nicht dazu. Sie liegen im Bereich des Borsteler Moores in der Samtgemeinde Siedenburg – in direkter Nachbarschaft zu einem Naturschutzgebiet mit wertvollen Biotopen und landwirtschaftlichen Grünflächen auf moorigem Untergrund.

Im laufenden Raumordnungsverfahren seien noch keine fachlichen Stellungnahmen eingegangen, erklärte Landkreis-Regional planer Andreas Gräfe gestern auf Anfrage. Aber das Landvolk habe Landrat Cord Bockhop bereits mitgeteilt: „Die Landwirte sind nicht bereit, Flächen für Renaturierungsmaßnahmen herzugeben.“ Ob es für den Abbau der 154 Hektar Torffläche eine Genehmigung gibt, hängt vom Ergebnis des Raumordnungsverfahrens ab, an dem etliche Träger öffentlicher Belange mitwirken können.

Wie steht der Kreis-Naturschutzbeauftragte Dieter Tornow zu dem Torfabbau-Projekt? „Die Gesamtbilanz kann am Ende durchaus positiv sein“, so Tornow. Denn der Abbau der 154 Hektar Fläche schaffe die Voraussetzung dafür, den gesamten Moorbereich wieder vernässen zu können: „Das ist das Ziel.“ So gesehen könne der Torfabbau durchaus dem Klimaschutz dienen. Auf trockenen, mit Birken bewachsenen Moorflächen würde bei der Zersetzung CO2 ausgeblasen. Das entstehe auch beim Torfabbau. Deshalb müsse man abwägen. Aber aus Klimaschutz-Gründen sei unter dem Strich ein großes, insgesamt wieder vernässtes Moor ein Gewinn.

„Guter Torfabbau ist auch guter Natur- und Klima schutz“, bestätigt Olaf Meiners. Er muss dem Landkreis 440 Hektar Fläche nachweisen, um 154 Hektar Torf abbauen und den Kompensationsnachweis erbringen zu können. Zurzeit würde in Niedersachsen auf 11 500 Hektar Torfabbau betrieben, so der Unternehmer. Allerdings würden Landwirte 120 000 Hektar Moorflächen bewirtschaften. „Auch dadurch entsteht Torfzehrung“, gibt der Firmenchef zu bedenken – und lässt keinen Zweifel daran, dass Torf bei der Produktion von Pflanzenerde nach Kundenwünschen noch immer ein elementarer Bestandteil ist. Zwar würden bereits Kokosmehl oder Holzfasern eingesetzt, „aber solche Alternativen gibt es weder in ausreichender Menge noch Qualität“. Deshalb werde bereits ein Drittel des bundesdeutschen Torfbedarfs aus dem Baltikum importiert. Ob das am Ende dem Klimaschutz diene oder ob es nicht besser sei, den vor Ort vorhandenen Torf nach strengen Auflagen abzubauen und die Flächen sorgfältig zu renaturieren – das sei die entscheidende Frage.

Quelle: Kreiszeitung, 11.04.2013

Anmerkung der Aktion Moorschutz: Wiedervernässung trockener Moorböden ist in vielerleri Hinsicht wichtig und sinnvoll. Die durch Torfabbau in wenigen Jahren freigesetzten Treibhausgasemissionen sind durch Wiedervernässung in planbaren Zeiträumen jedoch nicht wieder ausgleichbar.