Torfabbau: Kreis Gnarrenburg fordert Moratorium

Rotenburg. Um einen großflächigen Torfabbau im Gnarrenburger Moor zu verhindern und die Nutzung des Gebiets langfristig zu steuern setzen Landkreis und Gemeinde auf einen runden Tisch und auf die neue Landesregierung. Die soll es ermöglichen, Abtorfanträge auszusetzen – bis sie festgelegt hat, wie künftig in Sachen Moorschutz und Torfabbau verfahren wird. Entsprechende Empfehlungen sprach Donnerstag der Kreisumweltausschuss aus.

Mit dem geplanten Torfabbau in Gnarrenburg befasste sich am Donnerstag der Kreisumweltausschuss. Foto: Bremervörder Zeitung

Mit dem geplanten Torfabbau in Gnarrenburg befasste sich am Donnerstag der Kreisumweltausschuss. Foto: Bremervörder Zeitung

Die Zeit drängt. Ausschussvorsitzender Volker Kullik (SPD) rechnet täglich damit, dass den Behörden ein Antrag auf Torfabbau ins Haus flattert. Ein Unternehmen hat bereits Interesse an einer Nutzung von rund 200 Hektar im Gnarrenburger Moor bekundet. Aber wird es dabei bleiben? Immerhin sind im Raumordnungsprogramm des Landes mehr als 2 000 Hektar als Vorranggebiet für den Torfabbau ausgewiesen.

Und wie soll das Areal in naher und ferner Zukunft genutzt werden? Hier prallen sehr unterschiedliche Interessen aufeinander. Neben der Industrie haben Landwirte und Naturschützer, aber auch Touristiker, höchst eigene Vorstellung von der Zukunft des Moores, Anlieger insbesondere in Augustendorf sorgen sich darum, im Falle einer späteren Vernässung des Abbaugebiets auf einer Art Halbinsel zu leben.

Eine Lösung erhoffen sich die Politiker von einem runden Tisch. Eine solche Runde hat der Umweltausschuss einstimmig auf den Weg gebracht. Bis Ende April soll er das erste Mal tagen. Ganz klein sollte der Tisch nicht sein. Denn neben Mitarbeitern der zuständigen Kreis- und Gemeindebehörden sollen daran die betroffenen Ortsvorsteher sowie Vertreter der Bürgerinitiative, der Torfindustrie, der Naturschutzverbände, der Landwirtschaft, der Unterhaltungsverbände und des Tourismusvereins Platz nehmen. Auf Initiative des Umweltausschusses außerdem zwei Kreistagsabgeordnete, der Kreisnaturschutzbeauftragte Werner Burkart und ein Vertreter vom Landesamt für Geoinformation und Landentwicklung.

Ziel ist es, ein Entwicklungskonzept für das Areal aufzustellen. Vorbild dafür ist die „Vision Teufelsmoor“ im Landkreis Osterholz. Der runde Tisch kann nur ergebnisoffen zusammen kommen, betonte Heinz-Günter Bargfrede (CDU). Entscheidend ist, dass es zu einer einvernehmlichen Regelung kommt und dass sich dann auch alle daran halten. Zwar kann sich die Kommune im Zweifel auf die Vereinbarung berufen, letztlich geht es aber immer noch um ein Gebiet, in dem der Torfabbau raumordnerisch ausdrücklich Vorrang hat. Das ist ein Trumpf der Industrie.

Kreis und Gemeinde blicken daher auch nach Hannover. Hat doch die neue SPD/Grüne-Landesregierung angekündigt, das Landesraumordnungsprogramm überarbeiten, den Moorschutz stärken und Vorranggebiete für Torfabbau nicht mehr ausweisen zu wollen. Um zu verhindern, dass die Torfindustrie nun auf Basis der noch geltenden Regelung schnell Anträge stellt und Tatsachen schafft, fordert der Landkreis auf Antrag von SPD, Grünen und WFB einstimmig das Land zu einem Moratorium auf.

Bis rechtlich und raumordnerisch eindeutig geklärt ist, wie es mit dem Torfabbau im Land weiter geht, sollte der Landkreis entsprechende Anträge ablehnen oder aussetzen können. Ein solches Moratorium dürfte wiederum die Kompromissbereitschaft der Torfindustrie am runden Tisch erhöhen. (zz/oer)

Quelle: Bremervörder Zeitung, 2.3.2013