Torfabbau Wesermarsch

Hausabsackung: Torfabbau nicht allein verantwortlich

200 Gäste in Scheeljes Gasthof – Experten referieren – Interessante Diskussion

Die Referenten und Moderatoren, von links: Thomas Brückmann, (BM Ovelgönne) Dragos Pancescu, (Die Grünen) Hans Joachim Janßen, (MdL, Die Grünen), Dr. Hartmut Ludeweg, (Hydrogeologe, OL), Hans-Otto Meyer-Ott, Kurt Eßmann (Zimmermeister, Hiddigwarden). Foto: NWZ

Die Referenten und Moderatoren Thomas Brückmann, (BM Ovelgönne) Dragos Pancescu, (Die Grünen) Hans Joachim Janßen, (MdL, Die Grünen), Dr. Hartmut Ludeweg, (Hydrogeologe, OL), Hans-Otto Meyer-Ott, Kurt Eßmann (von links). (Zimmermeister, Hiddigwarden). Foto: NWZ

Großenmeer. Aus der Wesermarsch, dem Oldenburger Land und sogar aus Wiesmoor kommen die 200 Zuhörer in Scheeljes Gasthof in Großenmeer. Doppelt so viele Gäste wie erwartet sind der Einladung der Ortsverbände Mittlere Wesermarsch und Stadtland/Jade der Grünen zur Informationsveranstaltung „Torfabbau – 500 Hektar Gefährdung für Klima, Moor und Gebäude?“ gefolgt. Moderierend führen Dragos Pancescu und Hans-Otto Meyer-Ott durch den Abend.

Die Veranstaltung startet mit Einführungen durch die Referenten Dr. Hartmut Ludewig (Hydrogeologe), Thomas Brückmann (Bürgermeister Ovelgönne), Kurt Eßmann (Zimmermeister), Dirk Harms-Herrmann (Braker Sielacht) und Hans-Joachim Janßen (Landtagsabgeordneter der Grünen aus Jade). Applaus bekommt vor allem die Feststellung, dass im Koalitionsvertrag der neuen Landesregierung ein Verzicht auf Vorrangflächen für Torfabbau festgelegt werden soll und nur noch in Ausnahmefällen Genehmigungen erteilt werden sollen.

Dieser Applaus zeigt schon zu Beginn die Frontlinien, die sich durch den gesamten Abend ziehen: Torfabbauer auf der einen, fast alle anderen Gäste auf der anderen Seite.

Der im Publikum anwesende Josef Gramann (Gramoflor) meldet sich nach den Referaten als erster zu Wort: Viele Halbwahrheiten seien in den Referaten verbreitet worden, darunter die Behauptung, Torfabbau würde sich signifikant auf den Wasserpegel des Grundwasser auswirken. „Im Torfabbau braucht man keine Grundwasserabsenkung“, pflichtet ihm Gerhard Block (Torfwerk Moorkultur Ramsloh) bei.

In der Diskussion stellt sich heraus, dass es zu einfach wäre, nur dem Torfabbau die Schuld gerade für das Absacken von Häusern zu geben. Die Entwicklungen, die die Stabilität von Häusern auf Holzpfählen gefährden, sind ein Konglomerat aus natürlichen Entwicklungen, Torfabbau, Landwirtschaft und menschlicher Kultivierung.

Entsprechend müssten auch die Kommunen tätig werden: Stärkere Kontrolle des Torfabbaus, aber auch die Sammlung von verlässliche Daten über Auftreten und Ursachen fallender Grundwasserstände und absackender Häuser. Auch die Grundstücksbesitzer selbst sind gefordert: Es müsse eine stärkere eigene Dokumentation geleistet werden, auch um bei auftretenden Schäden mehr Handhabe zu haben.

Nach gut zwei Stunden endet der Abend mit der Aufforderung, sich in Listen für eine zu gründende Bürgerinitiative einzutragen, die die Koordinierung der verschiedenen Interessen und die Bündelung von Argumenten übernehmen könnte.

Quelle: NWZ, 2.3.2013