Beispiel eines Wiedervernässungsprojektes in Schleswig-Holstein

SHZ, 20.02.2013

Buddeln für den Moorschutz

Das Hartshoper Moor soll renaturiert werden. Arbeiten auf den 115 Hektar Nassgrünlandflächen haben begonnen.

Sophienhamm. Bagger buddeln zurzeit auf den Flächen südlich der Bundesstraße 202 in Höhe des Kanaldamms zwischen Hohn und Friedrichsholm. Vor gut einer Woche haben die Arbeiten auf den zum Hartshoper Moor gehörenden Gründländereien im Auftrag der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein begonnen.

Bagger helfen bei der Anlage der Wiedervernässungsflächen (Foto: SHZ)

Bagger helfen bei der Anlage der Wiedervernässungsflächen (Foto: SHZ)

Was genau dort geschieht und welche Ziele die Stiftung mit den Baggerarbeiten verfolgt, erläuterte die Projektleiterin Jutta Walter direkt am Ort des Geschehens. Mit dabei waren auch der Planer und Bauleiter Holger Mordhorst aus Nortorf, Sophienhamms Bürgermeister Thomas Kolb, die Mitarbeiter der Integrierten Station Eider-Treene-Sorge und Westküste in Bergenhusen Julia Jacobsen und Michael Mielke sowie Leif Rättig, ebenfalls von der Stiftung Naturschutz.

„Die Bagger legen Verwallungen an, um möglichst viel Regenwasser auf der Fläche zu halten“, umreißt die Projektleiterin grob die Arbeiten. Ziel der Aktion solle sein, auf den 115 Hektar großen, binsenreichen Nassgrünlandflächen wieder hochmoortypische Wasserstände zu erhalten, um das Wachstum von Torfmoosen anzuregen. Diese wiederum sind am Aufbau von Mooren beteiligt und daher für die Regeneration der Moorgebiete von hoher Bedeutung. Durch die Wiedervernässung der Moore würden nicht nur wertvolle Biotope für seltene Pflanzen und Tiere geschaffen, sondern auch Klimaschutz betrieben, erklärt Jutta Walter weiter. Moore gelten als Speicher des Treibhausgases Kohlendioxid. Allein im Hartshoper Moor würden pro Hektar bis zu 18 Tonnen des Klimakillers eingespart.

Doch bis es soweit ist, muss im Bereich der geplanten Wälle die oberste Vegetationsschicht abgetragen werden. „Würde man einfach nur Boden auf die Fläche schütten, hätte man durch die wasserdurchlässige Vegetationsschicht eine ungewollte Drainage, daher ist es sinnvoll, die Pflanzenschicht abzutragen“, erklärt Holger Mordhorst die Arbeitsvorgänge, zu denen auch das Zuschütten von Entwässerungsgräben und das Herausholen von Drainagerohren gehöre. Danach werde mit dem Gewicht der Bagger der Boden bis in eine Tiefe von rund 1,50 Meter verdichtet, so dass das Wasser nicht mehr ungehindert abfließen kann. Erst danach erfolge das Aufschütten des 60 bis 90 Zentimeter hohen Walles mit dem Aushub aus den unteren Schwarztorfschichten. Der Wall bringe zusätzlich Gewicht. Schwarztorf ist zudem fester als die oberen Weißtorfschichten und damit wasserundurchlässiger.

„In Moorböden breitet sich das Wasser nicht in die Tiefe, sondern zu den Seiten in die Fläche aus“, erläutert der Planer weiter und veranschaulicht an einem bereits ausgehobenen Loch den Aufbau von Torfschichten, die sich im Harts hoper Moor in unterschiedlicher Ausprägungen zeigen. Nach einer Weißtorfschicht aus relativ gering zersetzten Torfmoosen folge die wesentlich dunklere Schwarztorfschicht. Würde man noch tiefer graben, stieße man auf eine Bruchwaldschicht, gefolgt von Seeablagerungen. Relikte aus Zeiten, als noch keine Landwirtschaft auf den Flächen betrieben wurde und der Hohner See eine viel breitere Ausdehnung aufwies als heute. Von den Baggerarbeiten werde man nach nur kurzer Zeit schon nicht mehr viel sehen, denn die Natur erobere zügig ihr Terrain zurück. „Wenn es in den nächsten Wochen wärmer wird, wachsen die jetzt noch kahlen dunklen Torfflächen schnell wieder zu“, weiß die Projektleiterin Jutta Walter aus Erfahrung.

Wie schnell sich die Flächen nach Abschluss der Baggerarbeiten entwickeln werden, lässt sich gut an den bereits rund 100 Hektar umfassenden vernässten Flächen im Hartshoper Moor erkennen, die in den vergangenen zwei Jahren eingewallt wurden. Sehr zur Freude aller Projektbeteiligten hat sich nach nur kurzer Zeit der gewünschte Effekt eingestellt: „Die im Boden noch vorhandenen Torfreste haben sich wie ein Schwamm mit Wasser vollgesogen und die Flächen dadurch angehoben“, erklärt Jutta Walter. Erste Torfmoose haben Wassermulden besiedelt. „Bis sich daraus Hochmoore bilden, dauert es noch ein paar hundert Jahre“, sagt Walter. Doch schon jetzt, quasi ganz am Anfang der Entwicklung, schaffe man mit dem Moorprojekt die Vorraussetzungen für vielfältige Lebensräume und Klimaschutz.