Klimaretter in großer Gefahr

Klimaretter in großer Gefahr

Quelle: Nordsee-Zeitung, 20.02.2013, Autor: Dennis Paasch

Kreis Cuxhaven. Moore sind Lebensraum und beanspruchte Nutzfläche zugleich. Neue Nutzungsmöglichkeiten, wie der Anbau von Torfmoosen (die NZ berichtete), versprechen weniger Schädigung und mehr Nachhaltigkeit. Und beides sei dringend erforderlich, appellieren der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) und Dr. Hans-Joachim Ropers vom Naturschutzbund (NABU) im Landkreis Cuxhaven – Moore seien als Kohlenstoffspeicher für das Klima Gold wert.

Moore zählen nach Angaben des BUND zu den stark bedrohten Lebensräumen: „Bis heute wurden etwa 99 Prozent aller deutschen Moore entwässert. Das sind etwa 1,5 Millionen Hektar oder 4,2 Prozent der Landesfläche der Bundesrepublik.“

Wunderschöne Naturlandschaft: Im Ahlenmoor bei Wanna findet man sie in einigen Ecken noch – die fast unberührte Natur der Moore. (Foto: Fäcke)

Wunderschöne Naturlandschaft: Im Ahlenmoor bei Wanna findet man sie in einigen Ecken noch – die fast unberührte Natur der Moore. (Foto: Fäcke)

Zwar gibt es auch Bestrebungen, die Moornutzung nachhaltig zu gestalten, wie beispielsweise durch das großflächige Anbauen von Torfmoosen. Diese können ebenfalls wie fossiles Torf zur Erzeugung von Pflanzerden genutzt werden, belasten den Haushalt der Moore nicht nachteilig und bieten den Landwirten eine zusätzliche Möglichkeit, ihre auf Moorland liegenden Flächen zu bewirtschaften. Die Wirtschaftlichkeit dieser neuen Methode wird derzeit untersucht. Bis sie markttauglich ist, vergehen aber noch einige Jahre – im Ahlenmoor bei Wanna entsteht gerade das erste öffentlich zugängliche Testfeld.

Es gibt also bisher noch kein Wundermittel, um die Moore nachhaltig zu nutzen. Werde die Moorausnutzung aber nicht deutlich eingeschränkt, könne das weitreichende Folgen für diese Landschaftsart und das Klima haben, fürchtet der Vorsitzende des NABU im Landkreis Cuxhaven, Dr. Hans-Joachim Ropers: „Derzeit werden in Deutschland jährlich rund zehn Millionen Kubikmeter Torf aus Mooren verbraucht“, erklärt Ropers. Größtenteils stamme das abgebaute Torf aus norddeutschen Mooren, bei denen Niedersachsen wiederum mit einer Gesamtfläche von rund 30 000 Hektar in den Abbau eingebunden sei.

Was für Laien wenig dramatisch klingt, ist für den Naturschützer eine ernste Sache: Um Torf abzubauen oder Moorboden für die Landwirtschaft nutzbar zu machen, muss der Moorboden entwässert werden.

Moore sind gute CO2-Speicher

Aber sowohl durch die Entwässerung als auch durch den Torfabbau werden die Moore zumeist unwiederbringlich zerstört – und damit gehe auch ihre Eigenschaft als Kohlenstoffspeicher verloren, was dramatische Folgen für das Erdklima haben könnte. Auch der BUND bestätigt das: „Die drei Prozent der Erde, die von Mooren bedeckt sind, speichern doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Erde zusammen.“ Die fortwährende Moorausnutzung zerstöre einen der wichtigsten Kohlenstoffspeicher der Erde und führe zudem dazu, dass durch die Entwässerung eine große Menge an Kohlenstoffdioxid (CO2) freigesetzt werde.

Wissenschaftler haben dem BUND zu Folge errechnet, dass durch die Nutzung der Moore das Torfvorkommen seit der Erstellung des Niedersächsischen Moorschutzprogrammes 1981 teilweise um über 50 Prozent zurückgegangen sei – „geschädigte Moore sind eine der größten Treibhausgasquellen überhaupt“.

Der NABU-Kreisverbandsvorsitzende Ropers sieht auch die Artenvielfalt in Gefahr: „Viele seltene Tiere und Pflanzen sind in den Mooren heimisch. Durch das sich wandelnde Klima und den Verlust von Moorflächen sind diese bedroht.“ Moore zu schützen sei daher aus verschiedenen Gründen unerlässlich. Sie stellen eine enorme CO2-Senke dar, dienen dem Hoch- und Grundwasserschutz und seien Heimat vieler seltener Arten. Zudem wirke sich ihr Verlust sowohl auf den Klima- als auch für den Artenschutz sehr negativ aus, fasst der BUND zusammen.

Vor dem Hintergrund kritisiert Ropers auch den Bau der Küstenautobahn A 20 durch Moorgebiet: Der dann verlorene Lebensraum könne nicht wieder ersetzt werden. „Aber“, ergänzt er, „wenn es keine Möglichkeit gibt, Ausgleichsflächen zu schaffen, fließt Geld in andere Naturschutzprojekte. Das ist eine perverse Situation.“ Denn es müsse erst Natur zerstört werden, um andere Natur retten zu können.

Was ist Torf?

Torf wurde früher als Brennstoff genutzt. In der heutigen Zeit dient er zumeist der Erstellung von Pflanzerden. Für die Bildung von Torf ist die typische Eigenart der Moore wichtig, mehr Wasser einzulagern als abzugeben. Der Wasserüberschuss auf Moorgebiet geht zumeist mit einem Sauerstoffmangel einher. Zusammen führt das zum unvollständigen Abbau von Pflanzenteilen, die die Grundbestandteile des Torfs bilden. Um nur einen Millimeter pro Jahr wächst diese Schicht in einem intakten Moor.