Baden-Württemberg: Geld für Moore im Südwesten

Der Nabu renaturiert mit Geld von der Daimler AG Moore im Schwarzwald und im Allgäu. Das ist gut für seltene Tiere und Pflanzen. Es nützt aber auch dem Klima: Moore sind mächtige Kohlenstoff-Speicher.

Der Naturschutzbund im Südwesten startet sein größtes Moorschutzprojekt: Losgelegt wird im Frühjahr im Hinterzartener Moor. Mit einem Konzept zur Wiedervernässung. Im Herbst 2013 sind dann Gummistiefel gefragt, wenn Sperren in die alten Entwässerungsgräben gebaut werden, damit das Wasser wieder im Moor bleibt. 2014 dann die Renaturierung im zweiten Moor im württembergischen Allgäu beginnen, im Bodenmöser bei Isny. „Moore mit Stern“ sollen entstehen – Vorzeigeprojekte. Finden sich weitete Geldgeber, soll es nicht bei den beiden gebieten bleiben.

Was bringt eine Renaturierung? Entwässert, abgetorft, in Acker und Grünland umgewandelt: 95 Prozent der Moorgebiete, die mit dem Abschmelzen der Gletscher in der letzten Eiszeit vor mehr als 10 000 Jahren entstanden sind, wurden in den letzten 200 Jahren zerstört. Übrig sind in Baden-Württemberg rund 38 000 Hektar, vor allem im Allgäu, in Oberschwaben, auf der Baar, im Schwarzwald und am Oberrhein. Geschädigte Moore können aber wieder hergestellt werden.

Wie funktioniert das? Das Wasser muss wieder im Moor gehalten werden. Das funktioniert am besten, indem man die alten Entwässerungsgräben mit Sperren verschließt. Steht das Wasser wieder hoch, können sich Torfmoose und andere tote Pflanzen nicht mehr vollständig zersetzen. Abgestorbene Pflanzenteile bleiben erhalten, der gebundene Kohlenstoff entweicht nicht in die Atmosphäre – das Moor wächst wieder, ganz langsam zwar, aber es schrumpft nicht mehr.

Ganz schöner Aufwand. Wem nützt das alles? Nicht nur seltenen Tieren und Pflanzen. Viele stark bedrohte Arten haben ihre letzte Heimat in den Mooren. Beispiel Hochmoor-Gelbling. Der Schmetterling braucht Hochmoore für seine Raupen und Blütenwiesen in der Umgebung, um sich zu ernähren. Wichtig ist das Wiederherstellen der Moore auch fürs Klima: Eine 15 Zentimeter dicke Moorschicht speichert so viel Kohlenstoff wie ein 100 Jahre alter Wald auf gleicher Fläche. Geschädigte Moore heizen dagegen das Klima auf, weil beim Entwässern Kohlendioxid freigesetzt wird. Neben Artenschutz und Klimaschutz sind intakte Moore aber auch noch ein Gewinn für die Lebensqualität der Menschen am Ort – und macht die Gegend für Touristen attraktiver.

Saufen dann Wiesen in der Nachbarschaft ab? „Wir wollen keine Keller fluten“, sagt Moorexperte Markus Röhl vom Nabu. Landwirte und Förster sollen einbezogen werden, die beiden Moore wurden ausgewählt, weil es keine Grundstücksprobleme gibt: Vernässt werden soll Staatsforst und Gemeindewald. „Schnelle Umsetzbarkeit und hohe Effektivität“ gaben den Ausschlag für die Auswahl der Gebiete.

Was kostet das Renaturieren? 930 000 Euro gibt die Daimler AG dem Nabu bis 2015 – zweckgebunden. So eine Großspende für die Moore gab es noch nie für den Nabu im Land, „im Namen von Moorfrosch, Bekassine und Sonnentau bedanken wir uns“, sagt Geschäftsführer Uwe Prietzel. Das Geld dürfte für das Hinterzartener Moor ausreichen, im großen Bodenmöser-Gebiet komme man ziemlich weit. „Wir würden uns freuen, wenn Firmen nachziehen“, sagt Prietzel.

Warum ist Daimler mit im Boot? 2011 hat der Konzern nach eigenen Angaben 59 Millionen Euro weltweit für Kunst, Kultur, Ökologie ausgegeben. „Für nachhaltige Projekte, die passen“, und Moorschutz passe sehr gut: „Wir investieren nicht nur in Fahrzeuge, die weniger Kohlendioxid ausstoßen und in umweltschonende Produktionsverfahren“, sagt Lothar Ulsamer von der Daimler.

Was sagt das Ministerium für ländlichen Raum? Dort freut man sich über das Engagement und betont, dass das Land auch viel in Sachen Moorschutz mache: Geld gab es beispielsweise für Wurzacher und Pfrunger Ried, auf der Baar sei man auch aktiv. Man prüfe noch Möglichkeiten wie Moor-Emissionszertifikate, mit denen Firmen ihre Treibhausgasbilanz verbessern können. Oder das Berücksichtigen von Moorflächen beim Ökokonto, sagt Marcus Lämmle vom Ministerium.

Quelle: Südwest-Zeitung online, von Alfred Wiedemann, 28.01.2013