Torfabbau: Politiker sagen Hilfe zu

Quelle: Weser Kurier, 17.01.2013, Autor: Peter von Döllen

Bei einer Podiumsdiskussion in Augustendorf sprachen sich Politiker aller Parteien gegen einen weiteren Torfabbau in Gnarrenburg aus. Die Bürger bleiben allerdings skeptisch. Sie wissen nicht, was die Versprechen wert sind.

Gnarrenburg. Klaus Bolte von den Piraten blieb skeptisch. Dabei scheint die Sache klar zu sein. „Alle anwesenden Politiker sind gegen einen Torfabbau in Gnarrenburg. Da dürfte es doch keine Probleme geben“, hatte ein Bürger die Podiumsdiskussion mit Landtagskandidaten zusammengefasst. Bolte: „Wenn alle so klar dagegen sind, frage ich mich, warum wir hier sind. Fakt ist: Das Vorranggebiet ist im Landesraumordnungsprogramm enthalten.“ Er witterte sogar Kungelei durch Lobbyisten.

Der Wahlkampf zur Landtagswahl in Niedersachsen am Sonntag wird in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Viele Bürger bemängeln seine Themenlosigkeit. In Gnarrenburg ist das anders. Längst ist der Moorschutz dort zum zentralen Punkt geworden. Zwar handelt es sich um lokales Interesse. Doch nur im fernen Hannover sehen die Mitglieder der Bürgerinitiative zum Erhalt unserer Moore Lösungsmöglichkeiten. „Das Vorranggebiet für den Torfabbau soll aus den Raumordnungsprogrammen herausgenommen werden“, erklärte Kerstin Klabunde von der Initiative. Mit 2400 Hektar liege in Gnarrenburg das größte Vorranggebiet für Torfabbau in Deutschland.

Keiner will weiteren Torfabbau

Außerdem fordern die Mitglieder der Bürgerinitiative einen zwischenzeitlichen Stopp für entsprechende Planungsverfahren und ein Nutzungskonzept für das Moor. Klabunde: „Die Teufelsmoorregion Gnarrenburg soll als Lebens-, Arbeits-, Erholungs- und Naturraum weiterentwickelt werden.“ Das Moor müsse als Kohlenstoffspeicher und nicht als Rohstoffgewinnungsgebiet betrachtet werden.

Die Gnarrenburger wollten von ihren Landtagskandidaten wissen, ob sie mit ihrer Unterstützung rechnen können. Ihrer Einladung zur Podiumsdiskussion in der Gaststätte „Zum Huvenhoop“ waren Hans Heinrich Ehlen (CDU), Bernd Wölbern (SPD), Hendrik Jürgens (FDP), Marianne Knabbe (Grüne), Klaus Heinbockel (Linke) und Klaus Bolte (Piraten) gefolgt. Voll war es im Zuschauerraum. Mehrere Tische und Stühle mussten herangeschleppt werden.

Die meisten Besucher haben Sorge um ihre landwirtschaftliche Existenzgrundlage oder fürchten verschärfte Hochwassersituationen. Die Attraktivität als touristisches Ausflugsziel ist in ihren Augen gefährdet.

Die Aussagen der Politiker waren eindeutig: Keiner will weiteren Torfabbau. Bei genauer Betrachtung finden sich aber bei allen Aussagen Haken und Unsicherheiten. Ehlen räumte ein: Im Landtag gibt es Lobbyarbeit. Mit einem Seitenhieb auf Bolte sagte er: „Sollte Herr Bolte in den Landtag kommen, wird er sich wundern, wie die Entscheidungswege laufen.“ Eine Änderung des LROP sei eine schwierige langfristige Angelegenheit, hatte Moderator Axel Renken erkannt. Mehr oder weniger deutlich führten die Politiker den Ausgleich unterschiedlicher Interessen an. Bernd Wölbern sprach von „sozialverträglich“, Hendrik Jürgens erwähnte die Notwendung von Ausgleichsflächen für Landwirte und Ehlen warf die Gewinne durch Landverkauf auf. Der ehemalige Landwirtschaftsminister hatte einen einfachen Ratschlag parat: „Es könnten sich alle in der Region einig sein und nicht verkaufen – fertig.“

Kerstin Klabunde musste zugeben: Finanzieller Druck mache es für viele Grundstückseigentümer schwer zu widerstehen. Wölbern, Bolte und Heinbockel brachten Subventionen ins Spiel, die Flächenaufkäufe durch Firmen verhindern könnten. Ehlen und Knabbe plädierten für einen runden Tisch mit allen Beteiligten.

Die anwesenden Bürger freuten sich über die eindeutige Parteinahme der Politiker. Sie waren sich aber nicht sicher, was diese bedeuten. Die Aussagen ordneten sie zwischen plakativer Ablehnung des Abbaus und ernsten Bemühungen zu einer Lösung ein.