Stadt Wiesmoor reicht Gutachten in Sachen Torfabbau ein

Quelle: Ostfriesen-Zeitung, 30.11.2012, Autor: Rudi Meyer

Die Stadt Wiesmoor hat ein Gutachten in Sachen Torfabbau Marcardsmoor erstellen lassen. Neben dem neunseitigen Anschreiben von Bürgermeisters Alfred Meyer wurde der Kreisverwaltung auch eine 17-seitige Bewertung von der Biologischen Station in Osterholz-Scharmbeck zugeschickt.

Aurich – Eigentlich hatten die Verantwortlichen in Wiesmoor, allen voran Bürgermeister Alfred Meyer, gehofft, dass der Landkreis Aurich keine Genehmigungen mehr für einen weiteren industriellen Torfabbau erteilt. Doch der Erste Kreisrat, Dr. Frank Puchert, machte am Mittwoch in der Sitzung des Umweltausschusses des Landkreises Aurich deutlich, dass es auch im Rahmen des Planungsrechtes keine Möglichkeit gebe, den Abbau zu verhindern. „Wenn der Landkreis dieses machen würde, dann handelt er illegal“, so Puchert. Die Torfabbauflächen seien schließlich im Landesraumordnungsprogramm festgelegt und der Landkreis müsse sich daran halten.

„Uns unterliegt einzig und allein die Aufgabe, zu prüfen, ob Gründe des Naturschutzes, des Baurechts oder des öffentlichen Rechts gegen einen Abbau sprechen“, sagte der Erste Kreisrat. Und wenn dies nicht der Fall sei, dann müsse man eine Genehmigung erteilen. Völlig überrascht waren die Ausschussmitglieder, aber auch die mehr als 30 anwesenden Zuhörer aus Wiesmoor, Marcardsmoor und Mullberg, als Puchert erkärte, dass die Stadt eine Chance habe, „den Torfabbau durch eine Konzentrationsplanung zu steuern“. „Wiesmoor kann durch eigene Planungen die Ausweitung der Torfabbauflächen erschweren“, erläuterte Puchert.

Die Gegner setzen ihre Hoffnung auf die Stellungnahme der Stadt

Auf dem Gebiet der Stadt Wiesmoor werden aktuell Flächen mit einer Größe von rund 400 Hektar durch drei große Firmen gewerblich abgetorft. Rein von der Fläche her könnten in den vier Vorranggebieten laut des aktuellen Raumordnungsprogramms 2012 noch weitere 500 Hektor dazukommen. Dagegen gibt es in der Bevölkerung aber erheblichen Widerstand. Es wurden von den Bürgern bereits Unterschriftenaktionen durchgeführt. Bisher jedoch noch ohne großen Erfolg. Hoffnung setzen deshalb die Gegner des Torfabbaus auf die Stellungnahme der Stadt Wiesmoor. Diese wurde vor einigen Tagen dem Landkreis zugestellt.

Neben dem neunseitigen Anschreiben von Bürgermeister Alfred Meyer wurde der Kreisverwaltung auch das 17-seitige Gutachten Dr. Jutta Kemmers von der Biologischen Station in Osterholz-Scharmbeck zugeschickt. In dem „Gutachten für ökologische Bestandsaufnahmen, Bewertungen und Planungen“ kommt die Verfasserin zu dem Schluss, dass die Antragsunterlagen des Torfabbauunternehmens erhebliche Mängel aufweisen. Auf den 16 Seiten werden die Vorbehalte gegen einen Torfabbau in Marcardsmoor ausführlich begründet. „In der Summe der Defizite sind die Antragsunterlagen unseres Erachtens nicht geeignet, zu einer sachgerechten Entscheidung über die Zulässigkeit des Vorhabens zu kommen“, meint Dr. Kemmer.

Man werde jetzt alle vorliegenden Eingaben sorgfältig prüfen, so der Erste Kreisrat. Von einer Resolution des Kreistages gegen den geplanten Torfabbau in Wiesmoor wie es von einigen Ausschussmitgliedern gefordert wurde, hält Puchert übrigens nichts. „Das würde nur unnötige Erwartungen bei der Bevölkerung wecken, die am Ende dann doch nicht erfüllt werden können“, meinte der Erste Kreisrat.