Moorschützer sehen Politik in der Pflicht

Quelle: Weser Kurier, 13.11.2012, Autor: P. Döllen

Die Aktion Moorschutz lud zu einem „Moortag“ ein, um nach dem Aus für weiteren Torfabbau im Günnemoor über den Status Quo und den künftigen Moorschutz zu diskutieren. Zu Beginn gab’s vor Ort eine symbolische Wurfaktion.

Torf zurück ins Moor

LandtagskandidatInnen des Wahlkreises 60 brachten zusammen mit Naturschutzverbänden symbolisch den Torf zurück ins Moor (Foto: Lilje)

Osterholz-Scharmbeck. In einem hohen Bogen flogen einige Torfsoden in das Günnemoor und verloren sich in der weiten Abbaufläche. Winzig klein erschienen die Torfbrocken, die Politiker und Naturschützer symbolisch an das Moor zurückgaben. Mit einem Mal wurde den vielen Zuschauern am Rand des geschundenen Moores klar, welche unglaubliche Menge im Günnemoor abgebaut wurde. Es wird dauern, bis die Narben in der Landschaft sich schließen. Eine tiefe Wanne breitet sich aus, wo noch 1920 ein Hochmoor existierte. Jetzt soll endgültig Schluss sein mit dem Raubbau. Grund genug für die Aktion Moorschutz für einen Moortag, der mit der symbolischen Aktion am Günnemoor begann und mit einer Podiumsdiskussion im Gasthaus Schamaika fortgesetzt wurde.

„Das Moor war 1920 sieben Meter höher“, erläuterte Dr. Hans-Georg Kulp von der Biologischen Station Osterholz (BioS). 15 Millionen Kubikmeter Torf seien seitdem abgebaut und schätzungsweise 3,5 Millionen Tonnen des Treibhausgases Co2 freigesetzt worden, die im Torf seit tausenden von Jahren gebunden waren. In einer gemeinsamen Aktion haben Bürger, Umweltverbände, Lokalpolitiker und Verwaltungen einen Verzicht auf weitere Abbaugenehmigungen erwirkt. Nun setzen alle auf eine Wiedervernässung.

Der Abbau-Stopp im Teufelsmoor reicht den Aktiven nicht. Die Organisatorin des Treffens, Anette Lilje, und Naturschützer warnten am Moortag: Es müsse weitergehen mit dem Moorschutz. Lilje und Co. fordern ein neues Moorschutzprogramm und sehen dabei Niedersachsen in einer besonderen Rolle. Denn das Bundesland beherbergt rund 38 Prozent aller Moorflächen in Deutschland.

Der Torfabbau ist laut Kulp zu 13 Prozent an der Freisetzung von klimarelevanten Gasen in Niedersachsen beteiligt – fast so viel wie durch Straßenverkehr.

Kurz vor der Landtagswahl wollen die Moorschützer von niedersächsischen Politikern wissen, wie sie zum Moorschutz stehen. „Wir haben die Landtagskandidaten aus der Region zu einer Podiumsdiskussion geladen“, erklärte Moderator und Umweltbeauftragter des Landkreises Frank Bachmann. Alle Parteivertreter sprachen sich grundsätzlich für ein neues Moorschutzprogramm aus. „Wir wollen Co2 mit hohem Energieeinsatz einlagern. Das Moor macht das ganz von selber“, schwärmte Benjamin Meyer (Bündnis 90/Die Grünen). Eva Schäfer (Die Linke) möchte möglichst alle Moorflächen erhalten und forderte eine Einbeziehung der Niedermoore. Tim Weber von der Piratenpartei gab zu: „Ich habe noch viele offene Fragen.“ Der Moorschutz werde definitiv im Wahlprogramm seiner Partei stehen, das noch nicht fertig sei.

Eine komplexe Sache

Das erschien Moderator Bachmann alles noch sehr vage. Und bei manchen Aussagen machte Bachmann Differenzen zu den entsprechenden Wahlprogrammen aus. Der SPD-Kandidat Jürgen Kuck versprach: Sollte seine Partei die Regierung stellen, werde etwas getan in Sachen Moorschutz. Kuck betonte allerdings: „Das ist nur gemeinsam mit Vereinen, Verbänden, Bauern und anderen Beteiligten in einem Konsens machbar.“

CDU und FDP waren nicht bei der Diskussion im Schamaika vertreten. Beide Parteien hätten aus terminlichen Gründen abgesagt, erläuterte Lilje. Eine komplette Übersicht der Parteienmeinung blieb den Zuhörern im Schamaika somit verwehrt. Zeitgleich lehnte die Fraktion von CDU und FDP im niedersächsischen Landtag einen Antrag der Grünen ab. Die hatten gefordert, dass Kommunen und Straßenbehörden für öffentliche Grünflächen künftig komplett auf Torf verzichten. Die Nachricht von der Ablehnung des Antrags kam im Teufelsmoor nicht gut an.

Moorschutz ist eine komplexe Sache, räumte Kulp ein. Dabei gehe es nicht nur um den Torfabbau. Ein heikles Thema sei auch die landwirtschaftliche Nutzung von Moorflächen. Maisanbau auf Moorflächen werde entgegen aller handwerklicher Kenntnisse immer häufiger. Das Moor leide, Klimagas werde im hohen Maße freigesetzt. Bei einem Verbot müsste den Landwirten mit Ausgleichsflächen geholfen werden. Das sei aber teuer und schwierig.

Landkreisdezernent Richard Eckermann erkannte: „Das ist nicht so einfach zu lösen.“ Das gilt wohl auch für die „Vision Teufelsmoor“, die den Erfolg im Günnemoor ermöglichte. Für die Umsetzung braucht der Landkreis Osterholz die Unterstützung des Landes Niedersachsen und wohl auch die der Bundesregierung. Vor diesem Hintergrund verspricht das Wahljahr 2013 spannend für den Moorschutz zu werden.