Grab- und Blumenerde mit Torf zerstört die Moore

Pressemitteilung unseres Kooperationspartners NABU vom 30.10.2012:

Moore/Umwelt

Zu Allerheiligen werden große Mengen Graberde mit Torf verwendet, doch der Torfabbau zerstört den bedrohten Lebensraum Moor

Hannover – Ein Großteil des Angebots an Grab-, Blumen- und Gartenerde in Bau- und Gartenmärkten enthält Torf. Dieser Torf stammt aus über Jahrtausende entstandenen Mooren, die durch den Abbau zu hochbedrohten Lebensräumen geworden sind. Wer hingegen torffreie Erde verwendet, trägt aktiv und wirksam zum Erhalt der Moore und zum Natur- und Klimaschutz bei. Der NABU Niedersachsen ruft die Hobbygärtner zum Umdenken auf.

Das Angebot an Blumen-, Garten- und, jetzt zu Allerheiligen, auch an Graberde in Gartencentern und Baumärkten ist enorm. Meistens bestehen diese Erden zum überwiegenden Teil aus Torf. Vielen Hobbygärtnern ist gar nicht bewusst, dass sie mit dem Kauf der Erde die Zerstörung der Moore immer weiter vorantreiben. Dabei sind unsere Moore ein wichtiger Lebensraum für eine Vielzahl an hochspezialisierten Tier- und Pflanzenarten und ein wichtiger Kohlendioxid-Speicher.

Nur in intakten Mooren kann durch das Wachstum von Torfmoos auch Torf entstehen. Dabei dauert es 1.000 Jahre bis ein Meter Torfschicht gewachsen ist. Allein für den Freizeit-Gartenbau werden in Deutschland alljährlich mehr als drei Millionen Kubikmeter Torf aus Mooren gefräst. Durch diesen Abbau wird das im Moor gebundene Kohlendioxid freigesetzt und erhöht somit den Treibhauseffekt. Moorschutz ist Klimaschutz. Intakte Moore speichern große Mengen CO2. Werden Moorböden jedoch entwässert, intensiv bewirtschaftet oder abgetorft, wird das über Jahrtausende gespeicherte CO2 freigesetzt und das Ökosystem für aktive Neuspeicherung zerstört. Moore haben als CO2-Speicher eine immense Relevanz für den Klimaschutz. Nach Aussage der Landesregierung stammen über 13 Prozent der Treibhausgase in Niedersachsen aus den entwässerten Mooren.

Die kürzlich veröffentlichte ‚Studie zur Vorbereitung einer effizienten und gut abgestimmten Klimaschutzpolitik für den Agrarsektor‘ des von-Thünen-Instituts, Braunschweig, belegt die immense Klimarelevanz unserer Moorböden und bietet konkrete Handlungsempfehlungen in Sachen Moorschutz. Gärtnern ist auch ohne Torf durchaus möglich, da heute bereits vielfach torffreie Erden im Handel und Baumärkten angeboten werden.

Torffreie Substrate sind genauso gut für Pflanzen wie der Torf. Dieser Ersatz besteht aus einer Mischung von Kompost, Rindenhumus, Holz- und gelegentlich auch Kokosfasern. Alle namhaften Hersteller von Blumenerden bieten in ihrem Sortiment torffreie Erdsubstrate an. Es gibt allerdings noch kein offizielles Zeichen für torffreie Erde und Labels wie „Bio“ oder „hergestellt aus nachwachsendem Rohstoff“ sind nicht immer eine Garantie für torffreie Produkte.

Auch die stark vom Aussterben bedrohte Bekassine, vom NABU zum Vogel des Jahres 2013 ernannt, leidet stark unter dem Abbau der Moore, da ihr Lebensraum dadurch dauerhaft zerstört wird.

NABU-Faltblatt ‚Bunte Gärten ohne Torf‘

Moorschutz ist nicht nur aus Sicht des Naturschutzes, sondern besonders aus Klimaschutzpunkten bedeutsam. Verbandsübergreifend wurde die ‚Aktion Moorschutz‘ gegründet, um dem Thema das notwendige Gewicht zu verleihen. Die ‚Aktion Moorschutz‘ will den Schutz der Moore in Niedersachsen durch landesweite Öffentlichkeitsarbeit und politische Arbeit aktiv vorantreiben. Sie ist ein überverbandlicher Zusammenschluss der Biologischen Station Osterholz e.V., der Manfred-Hermsen-Stiftung, Bremen, des NABU-Landesverbandes Niedersachsen und der BUND-Landesverbände Niedersachsen und Bremen und bietet erstmals eine zielorientierte landesweite Vernetzungsmöglichkeit für Initiativen aus dem Bereich Moorschutz. Die ‚Aktion Moorschutz‘ bringt das Thema zudem auf die politische Ebene, denn Moorschutz soll ein Wahlkampfthema für die Landtagswahl 2013 in Niedersachsen werden. Die ‚Aktion Moorschutz‘ wird gefördert von der Manfred-Hermsen Stiftung, Bremen. ‚Aktion Moorschutz‘ im Netz unter www.aktion-moorschutz.de .

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Redaktion: Ulrich Thüre