Torfabbau schadet dem Klima

Quelle: Osterholzer Kreisblatt, 23.08.2012, Autor: Michael Thurm

Meyer-Graft: Torfabbau schadet dem Klima

Landkreis Osterholz. Seit einigen Jahren kämpft die Initiative Teufelsmoor gegen den Torfabbau im Teufelsmoor. Doch den Mitgliedern geht es nicht nur um den Erhalt der Moorlandschaft, vor allem will die Truppe um Reinhard Meyer-Graft auf die Gefahren aufmerksam machen, die der Torfabbau für das Klima bedeuten. Denn beim Torfabbau wird tonnenweise Treibhausgas in die Atmosphäre abgegeben.

Reinhard Meyer-Graft ist Restaurator für Gemälde, Skulpturen und Wandmalerei. Er hat gelernt, Dinge zu erhalten. Alte Kunstwerke genauso wie seinen unmittelbaren Lebensraum – das Teufelsmoor. Seit 1972 leben Sigrid und Reinhard Meyer-Graft im Moor. Sie mussten miterleben, wie sich im Laufe der Jahre die Moorlandschaft veränderte, der Torfabbau immer weiter voranschritt. „Viel gibt es da nicht mehr zu erhalten, die erste Schicht ist schon weg“, bedauert Meyer-Graft.

Seit 1920 sind im Günnemoor rund 240 Hektar großflächig industriell abgebaut worden, seit 1990 ist die „Turba Erden- und Humuswerk GmbH“ dort aktiv. Als die Firma vor einigen Jahren den Abbau auf einer rund 8,5 Hektar großen Fläche zwischen Priggeweg und Zur Kleinen Reihe, beantragte, machten die Anwohner dagegen mobil. Meyer-Graft und seine Nachbarn, vor dessen Haustüren praktisch der Abbau erfolgen sollte, wissen Stadt und Landkreis hinter sich. Bis heute ruht die ganze Angelegenheit.

Doch im Kampf um den Erhalt des Teufelsmoor hat Reinhard Meyer-Graft viel dazu gelernt. Vor allem, dass der Abbau und die Entwässerung der Moore dem Klima enorm schaden. So gründete Meyer-Graft im Sommer 2007 den Verein Initiative Teufelsmoor. Die Initiative rückt den Klimaschutz in den Vordergrund: Ziel sei es letztlich, das Moor zu renaturieren, damit es Co2 binde, betont Meyer-Graft. Das Teufelsmoor solle dabei ein „Pionierprojekt für alle Moore in Norddeutschland“ werden. „Die Moor-Emissionen spielen in Deutschland noch gar keine Rolle“, bedauert der 77-Jährige. Deshalb haben er und seine Mitstreiter der Initiative, darunter Unternehmer, Künstler, Professoren und Juristen, nun eine Broschüre herausgegeben, um der breiten Öffentlichkeit die Gefahr des Torfabbaus für das Klima deutlich zu machen.

Mit vielen Beispielen beschreibt die Initiative, die auch eng mit der Biologischen Station Osterholz zusammenarbeitet, wie wichtig Moorschutz für den Klimaschutz ist. Allein in Niedersachsen werden jährlich aus Mooren rund 8,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2) freigesetzt. Das ist ein Zehntel der Gesamtemissionen des Bundeslandes. Moore speichern heute weltweit ein Drittel aller terrestrischen Kohlenstoffvorräte, obwohl sie nur drei Prozent der gesamten Landoberfläche bedecken. Jedes Jahr speichert ein intaktes Moor 1,5 Tonnen CO2 pro Hektar (10000) Quadratmeter. Noch besser veranschaulicht ein anderes Beispiel des Flyers das Problem Torfabbau: Auf der 8,9 Hektar großen Fläche auf dem obersten Feld in Teufelsmoor sollen 195000 Kubikzentimeter Torf abgebaut werden. Dies ist ein Speicher für 50000 Tonnen CO2. Die gleiche Menge CO2 erzeugen beispielsweise 3,25 Millionen Pkw, die 81 Mal rund um die Welt fahren. Eine unglaubliche Zahl. Verschwindend gering fallen dagegen zwei andere Zahlen aus. Für die abgebaute Menge von 760000 Ballen erhält der Grundeigentümer 100000 Euro.

„Wir sollten auf die Verwendung von Torf ganz verzichten und unsere Moore wieder vernässen“, fordert deshalb Meyer-Graft. Dabei wollen er und die Initiative aber eines ganz gewiss nicht. Den Landwirten, denen die Moorflächen gehören, das Land einfach wegnehmen. „Wir möchten den Bauern eine Einkommensalternative ohne Torfabbau bieten“, sagt Reinhard Meyer-Graft. Deshalb braucht die Initiative Geld, viel Geld sogar. „Wir brauchen rund zwölf Millionen Euro“, rechnet Meyer-Graft vor. Er weiß, diese Summe einzusammeln, wird schwierig werden, aber Meyer-Graft ist ein Visionär. „Auch kleine Schritte sind ein Erfolg.“ Deshalb will er auch die Leute anschreiben, die „wirklich Geld haben“. „Wenn nur einer von 1000 antwortet, ist das schon gut“, sagt er.

Gleichzeitig will die Initiative, die sich gerade über die Mitarbeit von jungen Leuten freuen würde, mit dieser Broschüre und Flyern die Bevölkerung und vor allem die Politik für dieses Thema sensibilisieren. „Im nächsten Jahr ist in Niedersachsen Landtagswahl, dann soll auch der Moorschutz ein Thema sein“, betont Meyer-Graft. In vielen Gesprächen mit Politikern hat er Zustimmung erfahren – jedoch mit einem dicken Aber versehen. „Moorschutz ist eine tolle Sache, aber erst soll der Torf abgebaut werden“, zitiert Meyer-Graft einen beispielhaften Politikersatz. „Die Leute wachen erst auf, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.“

Dabei wäre es nach Meinung der Meyer-Grafts ein Leichtes, auf den Torfabbau ganz zu verzichten. „Es gibt Alternativen. Man bekommt Humus auch ohne Torf“, erzählt Sigrid Meyer-Graft, die sich mit diesem Thema intensiv beschäftigt hat. Moorschutz fängt schon beim Einkauf von torffreier Blumenerde an.

Weitere Informationen sind erhältlich im Internet unter www.initiative-teufelsmoor.de oder unter www.aktion-moorschutz.de