Hannoversche Moorgeest – Kommentar der Aktion Moorschutz

Kommentar der Aktion Moorschutz zu Umweltminister Birkners Eröffnung der Hannoverschen Moorgeest

Moor-Feier in der Hannoverschen Moorgeest vs. Moor-Schwund in ganz Niedersachsen

Die Bewilligung des EU-Life+-Projektes in der Hannoverschen Moorgeest wie auch die Förderung von Wiedervernässungsmaßnahmen im Vorzeigeprojekt Theikenmeer, Landkreis Emsland, sind wichtige Erfolge und richtige Schritt in Sachen Natur- und Klimaschutz.

Wer genauer nachliest stellt fest, dass beide Gebiete aus Naturschutzsicht bereits in vergleichsweise gutem Zustand sind. Was nichts an der Relevanz und Richtigkeit dieser Förderungen ändert. Öffnet man den Blick jedoch auf die landesweiten Moorflächen, bietet sich nach wie vor ein erschreckendes Bild: Die enorme Relevanz natürlicher Moorböden als Kohlenstoff-Speicher und damit für den Klimaschutz ist zwar bekannt. Dennoch werden Moorböden nach wie vor teilweise abgetorft und großflächig landwirtschaftlich genutzt, wobei durch Entwässerung und Düngung pro Hektar bis zu über 30 Tonnen CO2 ausgestoßen werden. Insbesondere der düngeintensive Maisanbau auf Moorböden verursacht große Mengen an Treibhausgasen. Gleichzeitig fehlt es vielerorts an Ressourcen, um bereits für den Naturschutz vorgesehene Moorböden endlich wiederzuvernässen. So verursachen entwässerte, degradierte Moorböden rund 13 % der niedersächsischen Treibhausgas-Emissionen.

Natürlich ist es unerlässlich, Entscheidungen über Nutzung und Schutz von Moorflächen im Dialog mit Nutzern und Naturschützern zu lösen. Umso erstaunlicher ist die Aussage Herrn Birkners, vollständige Wiedervernässung von abgetorften Moorflächen als „Extremlösung“ abzutun, die er nicht befürworten könne (aus Land und Forst Nr. 33/2012).
Dabei hat Niedersachsen als moorreichstes Bundesland nicht nur eine besondere Verantwortung für den Erhalt dieser Flächen, sondern auch herausragende Chancen, eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz einzunehmen. Nicht nur bestehende Naturschutzprojekte sind wichtig für Natur- und Klimaschutz, sondern die gesamten niedersächsischen Moorflächen! Denn das Grundprinzip bleibt das Gleiche: Im intakten, d.h. nassen Zustand funktionieren Moorböden als Kohlenstoff-Senken und damit als Klimaschützer. Im entwässerten Zustand, schlimmstenfalls noch intensiv genutzt und gedüngt, stoßen sie hingegen gigantische Mengen an Treibhausgasen aus. Ohne die Relevanz von Schutzprojekten wie dem Theikenmeer und der Hannoverschen Moorgeest in Frage zu stellen: Es reicht nicht, sich mit der längst überfälligen Weiterentwicklung bestehender Schutzprojekte zu rühmen. Bekanntermaßen ist eine Reduktion der Treibhausgasemissionen aus entwässerten Moorflächen in kurzer Zeit durch Wiedervernässungsmaßnahmen realisierbar, wenn die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden.

Genau an diesem Missstand muss das Engagement der Politik ansetzen, um ernsthaft von vorausschauendem Moor- und Klimaschutz sprechen zu können. Niedersachsen braucht ein neues Moorschutzprogramm, das Klimaaspekte integriert und sowohl Hoch- als auch Niedermoore einbezieht. Es braucht klare Regelungen für die naturschutzgerechte Nachnutzung bestehender Abtorfungsflächen, Deklaration von Torfflächen als Kohlenstoffspeicher sowie konkrete Umsetzungsplanung für Wiedervernässungsflächen. Ebenso sind Anreize für den Rückzug der Intensivland- und –forstwirtschaft von Moorböden notwendig.