Torfabbau-Ende im Günnemoor

Quelle: Weser Kurier, 15.10.2012:

Moorschützer: Ende des Torfabbaus markiert Zeitenwende
Von Lutz Rode

Landkreis Osterholz. Als einen „ersten wichtigen Schritt“ in Richtung Nutzungskonzept „Vision Teufelsmoor“ hat die Aktion Moorschutz das angekündigte Aus für den Torfabbau in der Ortschaft Teufelsmoor bewertet. Das Bündnis verschiedener Naturschutzorganisationen ist froh, dass ab Ende 2012 keine weiteren Moorflächen mehr zerstört werden sollen. Es setzt darauf, dass sich die Landschaft künftig wieder natürlich entwickeln kann und zugleich für die Menschen erlebbar bleibt.

Wie berichtet, hat die Torfabbaufirma Turba Erden- und Humuswerk GmbH kürzlich ihre Abbau-Anträge zurückgezogen. „Der jahrzehntelange Kampf gegen den Torfabbau im Günnemoor hat endlich Erfolg“, jubelt die Aktion Moorschutz, in der die Biologische Station Osterholz, der BUND Bremen und Niedersachsen, die Manfred-Hermsen-Stiftung und der Naturschutzbund Niedersachsen zusammen arbeiten.

Nach Angaben der Moorschützer sind seit 1920 etwa 15 Millionen Kubikmeter Torf im Herzen des Teufelsmoores abgebaut worden. Dabei seien etwa 3,5 Millionen Tonnen des Treibhausgases CO2 freigesetzt worden, die im Torf seit tausenden von Jahren gebunden waren.

Die Aktion Moorschutz richtet den Blick nun nach vorn, speziell auf die 2008 vom Landkreis Osterholz entwickelte „Vision Teufelsmoor“, in der strenger Schutz der intakten Moorflächen, Naturerleben und torferhaltende Nutzungen die Entwicklungsziele für die Zukunft sind. „Die Wiedervernässung des Torfabbaugebietes hat die Naturschutzbehörde schon mit Erfolg eingeleitet. Die wachsende Zahl rastender Kraniche ist eine Erfolgsgeschichte des Moorschutzes. Das Ende des Torfabbaus markiert eine Zeitenwende in Teufelsmoor“, sagen die Moorschützer.

Nach Darstellung des Bündnisses werden beim Torfabbau innerhalb weniger Jahre Moorböden zerstört, die jahrtausendelange Entstehungsprozesse durchlaufen sind. Auch die intensive Landwirtschaft und insbesondere der Maisanbau auf Moorböden zerstörten durch Entwässerung und Düngung den Torfboden und seien heftige Klimakiller. Dr. Hans-Gerhard Kulp, Biologische Station Osterholz: „Ein Hektar Maisacker auf Moor produziert so viel CO2 wie 36 Pkw im Jahr. Das können wir uns heute nicht mehr leisten.“

Anette Lilje von der Aktion Moorschutz ist überzeugt: „Niedersachsen braucht einen flächendeckenden Moorschutz. Moore sind wichtige Kohlenstoffspeicher, die nicht durch Entwässerung geschädigt werden dürfen.“ Zeitgemäß wären neue, torfschonende Wirtschaftstechniken, so genannte Paludikulturen. Hierbei handelt es sich um spezielle Anbauverfahren auf vernässtem Moor, die in anderen Regionen Niedersachsens bereits getestet werden, zum Beispiel in der Nähe von Rastede (Landkreis Ammerland).